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16. November 2014

Rumänien: Rege Beteiligung bei Präsidenten-Stichwahl

Stephan Ozsvath zur zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen aus Bukarest:

2. Runde Praesidentschaftswahl Rumaenien. Foto: BR I Stephan Ozsvath
2. Runde Praesidentschaftswahl Rumaenien. Foto: BR I Stephan Ozsvath

In Rumänien hat am Morgen die Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Zwei Bewerber sind aus der ersten Runde übrig geblieben: Der sozialdemokratische Premier Viktor Ponta und sein Herausforderer Klaus Iohannis, langjähriger Bürgermeister von Sibiu, Hermannstadt. „Ich wähle Iohannis, denn er ist ein Deutscher“, sagt ein orthodoxer Gläubiger in der Bukarester Innenstadt. Er sei besser als die Rumänen, meint er. Im Wahlkampf hatte Viktor Ponta Iohannis vorgeworfen, kein echter Rumäne zu sein, zu deutsch, zu protestantisch. Diese Rentnerin, die ihren Hund ausführt, schimpft, sie kenne Ponta zur Genüge. „Er hat nur Schaden angerichtet“, sagt sie. Würde Ponta Präsident, würde er per Dekret „Straftäter auf freien Fuß setzen“.

Wählerin mit Hund in Bukarest. Foto: BR I Stephan Ozsvath

Pontas Sozialdemokraten hatten vor einem Jahr einen Gesetzentwurf eingebracht.  Das entsprechende Gesetz würde korrupte Parlamentarier amnestieren.  Insbesondere  die Sozialdemokraten sind in große Korruptionsaffären verwickelt, in kleinerem Umfang auch Iohannis liberales Parteienbündnis. Trotzdem hat dieser Mann Iohannis gewählt.“ Diese Schufte haben versucht, Iohannis zu verleumden, aber wir haben das durchschaut. Wir brauchen ein Rumänien der gediegenen Arbeit“, das war Iohannis Slogan im Wahlkampf.
Ponta wirkte im Wahlkampf angriffslustiger als sein Widersacher. Deswegen hat sie ihn gewählt, erzählt eine Rentnerin in Bukarest. „Er ist aktiver, korrekter, intelligenter und anständiger“, sagt sie. Dass Iohannis sehr hölzern bei den Wählern ankam,  ärgert den Rapper „Onkel Sapro“, 1-Q-Sapro. Im ARD-Interview sagt er, im Fernsehduell sei Iohannis viel zu zahm gewesen.  „Du musst die Leute doch dazu bringen, dass sie sich mit Dir identifizieren „, sagt er. „Du willst doch Präsident Rumäniens werden. Dann repräsentier mich gefälligst“, schimpft er.

Rapper 1-Q Sapro, Onkel Sapro, ärgert sich über die Performance von Iohannis. Foto: BR I Stephan Ozsvath

Die Wahlbeteiligung war am Morgen geringfügig besser als vor fünf Jahren, sie lag bei 8,5 Prozent, teilte das Zentrale Wahlbüro mit.  Im Wahlbüro 368 in einer Schule in der Bukarester Innenstadt war die Wahlbeteiligung recht rege, bestätigt Wahlvorsteherin Doina Draguleasa.  Bis 10 Uhr hätten 84 Wähler abgestimmt, sagt sie. „Aber jetzt kommen immer mehr“. (update Zentrales Wahlbüro: 27% bis 13 Uhr Ortszeit, bis 16 Uhr Ortszeit hatten gut 45 % der Wähler ihre Stimme abgegeben, gut 10 Prozentpunkte mehr als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen)
Besonders groß war der Andrang vor den rumänischen Auslandsvertretungen. Tausende standen schon am frühen Morgen an, um ihre Stimme abzugeben. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten Tausende nicht wählen können. Der Außenminister war wegen der Pannen zurück getreten. Die rumänische Diaspora favorisiert laut Umfragen Iohannis. Am Freitag war es in Bukarest und anderen rumänischen Städten deshalb erneut zu Protesten gekommen. Auch heute abend gab es neue Proteste in Rumänien, um für längere Öffnungszeiten der Wahllokale in den Auslandsvertretungen zu kämpfen. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Erste Ergebnisse von Nach-Wahlbefragungen werden dann veröffentlicht. Erste Hochrechnungen in der Nacht.

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