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15. November 2014

Rumänien: Tricksereien bei der Präsidentenwahl ?

 Stephan Ozsvath über die Situation der AuslandsrumäneN:

Die Rumänen – vor allem die in der Diaspora – sind ziemlich sauer. Denn Tausende konnten ihre Stimmen für die Präsidentschaftskandidaten im ersten Wahlgang am 2. November nicht abgeben. Für eine Diaspora von offiziell 750.000 Rumänen weltweit (inoffiziell drei Mal soviele) standen nicht einmal 300 Wahllokale zur Verfügung. Um wählen zu können, mussten viele Auslandsrumänen weite Wege und Kosten in Kauf nehmen. Und selbst dann gab es keine Garantie, dass sie wirklich ihr Kreuz machen konnten. Vor den Auslandsvertretungen spielten sich dramatische Szenen ab, etwa in München. „Hier gab es ein Wahllokal für 75.000 Rumänen, die in Bayern leben“, beklagt sich Aida Neagos.

Schon früh morgens standen die Auslandsrumänen vor dem Konsulat in der bayerischen Hauptstadt Schlange. Trotzdem konnten viele nicht wählen. „Um 21.00 Uhr waren noch Hunderte vor dem Konsulat“, beschwert sie sich. Insgesamt 200 Klagen zählte das Zentrale Wahlbüro in Bukarest wegen der Pannen. Tausende Rumänen gingen wegen der Zustände am vergangenen Wochenende auf die Straße.


„Wir gehen nicht eher nach Hause, bis wir wählen können“, skandierten sie. Oder sie baten Klaus Johannis, den liberalen Präsidentschaftskandidaten, sie vor dem sozialdemokratischen Premier und Kandidaten Viktor Ponta zu bewahren. „Klaus, Klaus, bewahre uns vor Mickey-Maus“, riefen sie, in Anspielung auf den Spitznamen des Premiers und Präsidentschaftskandidaten Ponta. Aida Neagos glaubt, dass die Pannen vor den Auslandsvertretungen nicht zufällig sind. “Das war eine systematische Desorganisation“, meint sie. Denn traditionell wählen die Auslandsrumänen nicht die ehemaligen Kommunisten, also die Ponta-Partei. „Sie wollten aus dem Ausland so wenig Stimmen wie möglich haben“, ist Neagos überzeugt. Wegen der chaotischen Zustände vor den rumänischen Auslandsvertretungen musste Außenminister Corlatean seinen Hut nehmen. Die Regierung in Bukarest versprach, mehr Wahlkabinen für den zweiten Wahlgang zur Verfügung zu stellen. Auch am Freitagabend gingen in Rumänien wieder Tausende auf die Straße, um gegen Ponta zu demonstrieren, vor allem in Bukarest und Siebenbürgen.

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