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11. Oktober 2014

Valentin Inzko – Der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina im Interview

Vier Millionen Einwohner, drei Präsidenten und elf Regierungen. Die aktuelle Lage in Bosnien-Herzegowina lässt sich gut mit Zahlen beschreiben. Und mit Negativrekorden. Das zeigt der jüngste EU-Fortschrittsbericht, der schlechteste seit es überhaupt Fortschrittsberichte über die ehemalige jugoslawische Teilrepublik gibt: Mehr als 70 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos, zwei Drittel der Staatseinnahmen werden vom Staatsapparat geschluckt.
Dass die Wahlen am Sonntag an der derzeitigen Situation etwas ändern werden, glauben nur wenige.  Knapp 70 Parteien stehen zur Auswahl und damit doppelt so viele wie 2010. Herauskommen soll eine starke Zentralregierung, die die bosnische Föderation und die Serbische Teilrepublik zusammenhalten soll.
Die Unzufriedenheit im Land dürfte sich in den Wahlen niederschlagen: Nationalistischen und anti-europäischen Kandidaten werden große Erfolge vorhergesagt. Wie viele Wahlberechtigte von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen werden, wird mit Spannung erwartet.
ARD Korrespondentin Karla Engelhard sprach mit Valentin Inzko, dem Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina, über seine Sicht auf die Lage im Land. Seit 2009 vertritt der Österreicher dort die Belange der internationalen Gemeinschaft. Sein UN-Mandat berechtigt ihn unter anderem dazu, neue Behörden zu schaffen, Gesetze zu erlassen oder außer Kraft zu setzen und Amtsträger zu entlassen. Doch damit hält er sich sehr zurück. Fast 20 Jahre nach Ende des Krieges wird die bosnische Politik noch immer überwacht. Doch eines Tages, so das Ziel, sollen die Bosnier politisch komplett unabhängig und Inzkos Job somit überflüssig sein.

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