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22. September 2014

KOMMENTAR: Das Elend der Roma auf dem Balkan geht uns alle an!

Auch der Bundesrat will, dass Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien zu „sicheren Herkunftsländern“ erklärt werden. Eberhard Nembach meint in seinem Kommentar: Am skandalösen Elend der Roma in Südosteuropa ändert sich – nichts…

Das Elend hunderttausender Roma ist ein offener Skandal. Aber ich meine: Das deutsche Asylrecht kann nicht die Lösung für diese Problem sein.
Zu sehen wie Roma auf dem Balkan leben – oder besser ÜBERleben – müssen, macht mich immer wieder traurig. Mitten in Europa hausen Menschen bei Frost in Blech- oder Papphütten und bekommen keine oder unzureichende Gesundheitsversorgung. Brüssel schickt Geld, Regierungen versprechen, etwas zu tun. Es gibt auch Hilfsprojekte. Im Großen und Ganzen hat sich die Lage hunderttausender Roma in Südosteuropa in den letzten Jahren aber nicht verbessert. Das finde ich traurig. Und es macht mich wütend, dass das Problem in Brüssel und den Hauptstädten der EU-Schwergewichte nicht ernst genug genommen wird, auch nicht in Berlin. Die Probleme der südosteuropäischen Länder sind auch unsere Probleme. Europa ist in der globalisierten Welt zu klein, als dass jeder wieder wie früher sagen könnte: Was gehen mich die anderen Länder an, wir kümmern uns um unseren eigenen Kram. Dass das nicht mehr geht, haben ja gerade die Schotten mehrheitlich anerkannt, als sie gegen die Unabhängigkeit stimmten.
Ich meine: Wir müssen uns um die Roma in Südosteuropa kümmern – und den überforderten und oft genug auch unwilligen Regierungen auf dem Balkan dabei sehr aktiv zur Seite stehen. Roma-Kinder müssen in die Schule gehen, dazu brauchen sie ausgebildete Sozialarbeiter, die sie betreuen und bei der Stange halten, sonst landen die meisten schnell wieder beim Flaschensammeln oder klauen Altmetall. Junge Roma-Frauen brauchen Unterstützung beim Thema Verhütung – längst nicht alle wollen so viele Kinder haben, wie sie derzeit bekommen. In den jetzt offiziell so genannten „sicheren Drittstaaten“ Mazedonien, Serbien und Bosnien-Herzegowina sind viele Menschen sehr arm und kommen nur gerade so über die Runden – und Roma sind die Ärmsten unter den Armen, werden oft beschimpft oder schlecht behandelt, auch von Polizisten oder sonstigen Beamten. Damit muss man sich auseinandersetzen. Das alles ist mühsam, kostet Zeit, Geld und Geduld. Es ist ein großes Problem, das nicht deutsche Kommunen im Kleinen lösen können. Ob mit oder ohne Asyl – arme Roma werden immer ihr Glück im reichen Norden suchen wollen. Ich meine deshalb: Wir sollten Geld und Personal bereitstellen. Mehr als bisher. Und ihnen da helfen, wo sie sind.

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