Archiv
19. September 2014

Willkommen in Albanien – Tirana bereitet sich auf den Papstbesuch vor

Am Sonntag wird Papst Franziskus für einen Tag Albanien besuchen. Es ist die erste Europa-Reise des Pontifex – noch dazu in ein Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Er habe Albanien ausgesucht, so der Papst, „weil es aufgrund eines schrecklichen atheistischen Regimes sehr gelitten hat und sich heute durch ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen religiösen Gruppen auszeichnet.“

Stephan Ozsvath zu den Vorbereitungen in Tirana:


1967 hatte Diktator Enver Hodxha das Balkanland zum „ersten atheistischen Land der Welt“ erklärt, alles Religiöse wurde verboten, mehr als 2000 Kirchen und Klöster zu Getreidespeichern und Turnhallen. „Auch im Gefängnis war es gefährlich“, erinnert sich Fatos Lubonja, der ein Drittel seines Lebens eingekerkert war,“denn überall waren Spitzel“. Lubonja stammt aus einer atheistischen Familie, sein Vater Todi war TV-Direktor und ein enger Weggefährte Hodxhas – bis er in Ungnade fiel. Im Gefängnis wollte ihn ein katholischer Freund bekehren, nachdem sie ein Jahr lang über die Bibel gesprochen hatten, erzählt der Dissident vor einem Stück Berliner Mauer und einem der zahllosen Einmann-Bunker, mit dem sich der paranoide Diktator Hodxha vor bösen Mächten schützen wollte.

Fatos Lugonja. Foto: BR
Fatos Lugonja. Foto: BR

Auf den Boulevard der Märtyrer in Tiranas Innenstadt hängen Wimpel mit den Konterfeis von Katholiken, die von den Kommunisten ermordet wurden. Eine Franziskanerin, die heimlich mehr als 100 Kinder getauft hat, wird während des Papstbesuches Zeugnis von ihrem abenteuerlichen Leben ablegen. Die meisten Albaner freuen sich auf den Papst, selbst Muslime wie Avni Simacolli. Der Ingenieur baut die Tribüne für den Papstauftritt auf. Dialog der Religionen, das hat er zu Hause schon, sagt er. „Meine Frau ist Orthodoxe“, erzählt er, „und meine besten Freunde von der Uni sind Katholiken“. Auch Donika und Dervis Gjoni freuen sich auf den Papstbesuch. „Er wird das Ansehen Albaniens stärken“, glaubt der Rentner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.