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19. September 2014

Ein halbes Kilo Tito, bitte

Das halbe Kilo Tito soll angeblich besonders Gesund sein. Fotoquelle: Twitter

Die nostalgische Sehnsucht nach den “guten, alten Zeiten” in den ehemaligen Teilrepubliken des sozialistischen Jugoslawiens ist keine Neuigkeit. Mal beruht sie auf ehrlicher Überzeugung, mal ist sie nur ein Mittel zum kommerziellen Zweck. Das neuste Beispiel umtriebiger Geschäftsideen mit dem ungeschützten Marken-Namen „Tito“, kommt aus der kleinsten ex-jugoslawischen Republik Montenegro.
Ein Unternehmen, das nach eigenen Angaben gesunde Lebensmittel produziert, hat seit einem Jahr auch eine Brotsorte im Angebot, die den Namen „Tito“ trägt – nach dem ehemaligen lebenslangen Präsidenten des sozialistischen Jugoslawiens, Marschall Josip Broz Tito.
„Halbweißes Volksbrot-Tito”, wie es offiziell heißt, wird nach der Rezeptur aus dem ehemaligen Jugoslawien hergestellt. Der Direktor des Unternehmens erklärte gegenüber der serbischen Tageszeitung Blic, er habe sein Produkt so getauft, weil sich Marschall Tito immer um die Gesundheit seines Volkes gekümmert habe: Laut Gesetz habe damals 40% des angebotenen Brotes die „halbweiße“ Sorte ausmachen müssen, eine Mischung aus Vollkorn- und Weißmehl… und Vollkornmehl ist ja bekanntlich viel gesünder, erklärte der Direktor.
Der Absatz läuft angeblich sehr gut. Unklar bleibt, was den Verkauf fördert: der Preis von 50 Cent, die geschickt umgesetzte Nostalgie, oder einfach nur der Geschmack…? Der durchschnittliche Bürger Montenegros, der vom niedrigen Lebensstandard geplagt wird, kennt die Antwort am besten.
Das Unternehmen hat auch einen Wein Namens „Marschall“ im Angebot. Womit der seinen Namen verdient hat, wird nicht weiter erklärt. Aber allgemein bekannt ist, dass der Marschall kein Verächter des edlen Tropfens war.

Mitarbeit: Dejan Stefanovic

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