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17. September 2014

Jugend in Albanien: „Unsere Stimme wird nicht gehört“

Albanien ist mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren ein sehr junges Land. Arijel Coca ist Student, er wird am Akkordeon ausgebildet, wohnt noch bei seinen Eltern. „Meine Familie unterstützt mich“, sagt der 20-Jährige, obwohl er lieber auf eigenen Füßen stehen würde. „Aber Du findest ohne Beziehungen keinen Job“.

Stephan Ozsvath zur Jugend in Albanien:

Arijel
Arijel Coca. Foto: BR | Astrit Ibro

Musikstudent Arijel will deshalb ins Ausland gehen, um sein Glück zu machen. Die Vetternwirtschaft in seinem Heimatland nervt ihn. Er ist nicht allein mit dieser Ansicht: Etwa eine Million Albaner haben seit der politischen Wende Anfang der 1990er Jahre ihre Heimat verlassen, um im Ausland zu arbeiten: In Griechenland, in Italien oder im Westen. Wegen der Krise kommen viele jetzt zurück. Aber in Albanien ist es nicht leichter. Jeder Dritte unter 24 Jahren ist arbeitslos. „Unsere Stimme wird nicht gehört“, beklagt sich Arijel.

Aurora Golemi und Vjollca Shehu. Foto: BR | Astrit Ibro
Aurora Golemi und Vjollca Shehu. Foto: BR | Astrit Ibro

Die beiden Journalistinnen Aurora Golemi und Vjollca Shehu haben einen Job, und sie wollen im Land bleiben. Aurora arbeitet beim Nachrichtensender „News 24“ in Tirana und bereitet die Sendungen im Hintergrund vor, Vjollca ist Zeitungsredakteurin. In einem Punkt sind sie sich einig: Sie verdienen zu wenig. Das liegt auch daran, dass sie eine Frau ist, meint Aurora. „Ich weiß, dass mein männlicher Arbeitskollege mehr verdient“, sagt sie. Aber dass Frauen es in Sachen Karriere in Albanien schwerer haben, das sei halt eine Frage der „Mentalität“, beklagt die 24-Jährige. Auch sie lebt noch immer bei ihren Eltern. Anders ihre Freundin Vjollca. Sie stammt aus der Provinz, musste eine kleine Wohnung mieten. Gut ein Drittel ihres Gehalts geht nur für die Miete drauf, erzählt sie. „An Sparen ist da gar nicht zu denken“, sagt sie. Trotzdem schauen die jungen Albanerinnen zuversichtlich in die Zukunft, Vjollca träumt von einer Art „Schweiz mit Meer“. Sie weiß, dass der Weg dorthin steinig ist. Die Jugend sei zu passiv, schimpft sie. „Wir müssen lernen, selbst etwas zu verändern“, sagt sie.

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