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16. September 2014

Islamischer Staat wirbt Balkan-Dschihadisten

Stephan Ozsvath zu den Islamisten auf dem Balkan:


Die Fotos sind im Vorher-Nachher-Stil auf Facebook gepostet. Sie zeigen den 24-jährigen Kosovaren Lavdrim Muhaxheri, vor und nach der blutigen Enthauptung eines 19-jährigen Syrers: Ein Horror-Selfie eines Balkan-Dschihadisten. Die Fotos wurden zunächst auf Facebook veröffentlicht, machten dann die Runde in kosovarischen Medien. Sie waren offenbar auch der Anlass für eine Anti-Dschihadisten-Razzia Mitte August. Dabei stellt die Polizei Sprengstoff, Waffen und Munition sicher. „Das Kosovo wird kein sicherer Hafen für Islamisten sein“, verspricht Präsidentin Atifete Jahjaga.

Shefqet Krasniqi, Imam der Großen Moschee in Prishtina. Fotoquelle: facebook.com

Bei der Polizeirazzia werden mehr als 40 Menschen vorübergehend festgenommen, unter ihnen auch der Imam der Großen Moschee in Prishtina, Shefqet Krasniqi. Der im saudischen Medina ausgebildete Prediger gilt als Mastermind der Islamisten im Kosovo, als Strippenzieher etwa hinter den Aktivitäten der radikalen Islamisten-Partei LISBA, die im jüngsten Balkan-Staat Stimmung gegen das Kopftuchverbot an Schulen, den Westen und Homosexuelle macht. „Das passt nicht zu uns“, sagt Fuad Ramiqi, einer der führenden Köpfe, im ARD-Interview. Ramiqi hat Kampferfahrung als Mudschaheddin aus dem Bosnienkrieg.

Ganz anders sieht das der Islamwissenschaftler Xabir Hamidi, der wegen seiner kritischen Haltung schon unangenehme Bekanntschaft mit den Islamisten gemacht hat. Er wurde vor seinem Haus zusammen geschlagen. „Vor dem Kosovo-Krieg hatten wir diese Probleme nicht“, sagt er. Danach seien Hilfsorganisationen – vor allem aus arabischen Ländern gekommen und hätten extreme Ansichten verbreiten wollen. „Das ist gefährlich sowohl für den Islam selbst als auch für uns Muslime hier“, meint er.
Auch in Bosnien gab es kürzlich eine landesweite Polizeirazzia gegen mutmaßliche Dschihadisten. Der Vorwurf auch hier: Rekrutierung von Gotteskriegern für den Kampf im Nahen Osten. In beiden Ländern wurden mittlerweile die Gesetze verschärft. Albanien und Mazedonien vereinbarten jetzt eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit gegen die Dschihadisten.
Mehrere Hundert Balkan-Kämpfer – schätzen Experten – führen in den Reihen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ ihren brutalen Krieg gegen Andersdenkende. Erklärte Vision ist, den Balkan in ein zu schaffendes Kalifat zu integrieren. Terrorismusexperten erklären die Anziehungskraft der Dschihadisten mit der Perspektivlosigkeit – gerade für junge Leute – in ihren Heimatländern.

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