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6. September 2014

Urlaub daheim: Ohrid – das mazedonische Jerusalem

Mazedonien - Ohrid: Die Stadt wird auch das "mazedonische Jerusalem" genannt, denn es gibt hier so viele Kirchen wie das Jahr Tage hat - 365. - Foto: BR | Lyubisha Nikolovski
Mazedonien – Ohrid: Die Stadt wird auch das „mazedonische Jerusalem“ genannt, denn es gibt hier so viele Kirchen wie das Jahr Tage hat – 365. – Foto: BR | Lyubisha Nikolovski

Wenn der Sommer kommt stehen wir mazedonischen Hauptstädter (aus Skopje) jedes Jahr vor dem gleichen Dilemma: legen wir uns an den Strand in Griechenland oder bleiben wir zu Hause in unserem sagenumwobenen Ohrid. Der Zwiespalt lässt sich einfach erklären: Griechenland lieben wir zwar, aber es ist weit weg. „Unser“ Ohrid lieben wir nicht minder, aber es ist ziemlich teuer. Und die einen wie auch die anderen (Griechen und Ohrider) nennen uns Hauptstädter „Skopljanci“ und lieben uns überhaupt nicht! Hier teilen wir wohl das gleiche Los mit vielen Hauptstädtern dieser Welt, ungeliebt im eigenen Land zu sein. Dabei lebt der Tourismus in Ohrid vor allem von uns und unserem Geld. Denn gerade die jungen „Skopljanci“ verbringen Tag und Nacht in den Cafes und Diskotheken und verwandeln Ohrid in eine große Partymeile.

Aber Ohrid ist viel mehr – zum Beispiel einer von nur 24 Orten auf der Welt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe und gleichzeitig zum Weltnaturerbe erklärt wurden. Ohrid wird auch das „mazedonische Jerusalem“ genannt, denn in der Stadt gibt es so viele Kirchen wie das Jahr Tage hat – 365. Durch die Jahrhunderte dienten sie als Moscheen, Kirchen verschiedener Konfessionen, aber vor allem sind sie ein Symbol dafür, dass von hier aus im 9. Jahrhundert die Christianisierung der Südslawen begann. Sie brachte den Menschen den orthodoxen Glauben und die kyrillische Schrift.

Das mag vielleicht auch der Grund sein, dass nach uns Hauptstädtern die meisten Urlauber aus Serbien nach Ohrid kommen. Von Jahr zu Jahr trifft man aber vermehrt auf „richtige“, ausländische Urlauber, denn die mazedonische Regierung subventioniert Reiseveranstalter mit 10 Euro pro Gast aus dem Ausland.

Aber die Ohrider sind wieder nicht zufrieden, da diese Ausländer kein Geld ausgeben, nicht essen, nicht feiern, sondern nur voller historischer Ehrfurcht mit dem Tablet in der Hand durch die engen Altstadtgassen schlendern.

Am späten Nachmittag gerät mit dem Blick auf den Ohridsee alles in Vergessenheit. An einem der ältesten Seen der Welt zeigt sich seit 5 Millionen Jahren tagtäglich die Natur von ihrer wundervollsten Seite, wenn die untergehende Sonne alles in tiefes Rot hüllt und geheimnisvoll im See zu versinken scheint.

Da verstummt sogar das Gemecker der Ohrider!

Mitarbeit: Lyubisha Nikolovski

Kommentare (2)

E.Peter Papenberg am

Bereits vor ca. 60 Jahren habe ich in Ohrid wunderbare Zeiten verbracht.
Kontakt und wohnen bei Einheimischen. von der Zeit träume ich heute noch gerne.
Ich habe Ohrid noch so erlebt wie urwüchsig es war. Mit „Villa Tito“ und „Starigrad“. Mit Forellen aus dem See für umgerechnet ca. 1,50 DM! zubereitet einfach mit Füllung aus Zwiebel und Paprika. Trinken gab es „Malina Sok“ also mit klarem Wasser selbst hergestellter Himbeer Saft. Die Zeit würde ich gerne zurück wünschen!

Makedonier am

Danke, der beste Artikel den Ihr über Makedonien geschrieben habt!

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