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5. September 2014

Moldau, Moldova oder Moldawien? Wie heißt es richtig?

Die einstige Sowjetrepublik an der Grenze zur Ukraine ist in der derzeitigen Krise in der Region bedroht und umworben zugleich. Russland wollte und will das Wohlverhalten Moldaus mit einem Embargo wichtiger Exportartikel erzwingen (Wein, Obst), mit der EU hat die Republik Moldau im Sommer ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen geschlossen und Nachbar Rumänien schloss jüngst Moldau ans heimische Gasnetz an. In den Medien wird das kleine Land wahlweise Moldawien, Moldova oder Moldau genannt, Ergebnis seiner wechselvollen Geschichte.

Wir Deutschsprachige tun uns schwer die ehemalige Sowjetrepublik beim richtigen Namen zu nennen. Aus ihr ist erst 1991, mit einer Unabhängigkeitserklärung, ein eigenständiger, international anerkannter Staat geworden. Es kommt häufig vor, dass in einem einzigen Artikel, über das junge Land, gleich drei verschiedene Namen genannt werden: die rumänisch-moldauische Bezeichnung Moldova, der deutsche Name Moldau oder, wie amtlich empfohlen, Republik Moldau. Gern auch, die aus dem Russischen rückübersetzte Bezeichnung „Moldawien“.

Im deutschsprachigen Internet wird zu dieser Frage hin und her diskutiert https://www.facebook.com/Moldawien/posts/450721354959711. Natalia Bodiu, offensichtlich eine rumänische Moldauerin, setzt dabei auf common sense: „Nochmal ganz klar: die rumänische Transkription von Moldova ins Deutsche lautet Moldau. Moldawien wird über die russische Sprache übersetzt, das ist falsch. Auch wenn eine Mehrheit das ignoriert, so gibt es immer noch eine zutreffende und eine falsche Sprache.“ Die Betreiber des Facebook-Accounts „Moldawien“ entgegnen darauf belehrend: „Für viele in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird Moldau sicher weiterhin Moldawien bleiben, weil es sich über viele Jahre so etabliert hat. Auch, wenn es sprachlich falsch ist…“

Die Aufforderung einer Bloggerin zu erklären, welche nun die richtige Bezeichnung sei – Moldau, Moldova oder Moldawien http://kluge-kommunikation.net/?p=564 – beschwört nur zusätzliches Durcheinander herauf: „Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann, ganz im Gegenteil, ich kann noch für mehr Verwirrung sorgen: Die östliche Teilrepublik Rumäniens heißt auch Moldova (bzw. Moldawien). Wer dort von Moldova spricht, meint den Teil Rumäniens. Der östliche Nachbar – die eigenständige Republik Moldau – wird dort “Bessarabien” genannt“… Doch dann folgt der Hinweis auf den klärenden Blogeintrag eines offensichtlich über Moldau- und Rumänienexpertise verfügenden „Sbiuaners“ aus Berlin (http://sibiuaner.noblogs.org/2009/04/08/moldawien-oder-moldau-und-deutsche-medien/), der die bereits 1771 in Frankfurt erschienene „Beschreibung der Moldau“ als Argument für diesen Namen einsetzt.

Tatsächlich ist im deutschen Sprachraum und dessen Standardnachschlagewerken, Brockhaus, Duden und Meyer bis Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem von Moldau die Rede, dem Fürstentum Moldau oder dem Königreich Rumänien, das aus den „Vereinigten Donaufürstentümern Moldau und Walachei“ hervorging.

Erst mit dem Hitler-Stalin-Pakt (1939) setzte sich auch die aus dem Russischen „Молда́вская Сове́тская Социалисти́ческая Респу́блика“ abgeleitete Verdeutschung „Moldawien“ durch, die auch von der kommunistischen Sprachregelung in der DDR übernommen wurde. Die rund 45 Jahre Zugehörigkeit Moldaus zur Sowjetunion haben tiefe Spuren im Land und in der Außenwahrnehmung hinterlassen.

Schweizerische, österreichische und deutsche Leitmedien wie NZZ, Der Standard, Profil, Spiegel, F.A.Z., Süddeutsche und Die Zeit verwenden seit Jahren relativ konsequent die Bezeichnung „Moldau“. Ein Blick auf die Homepage der Deutschen Botschaft in Chisinau übersetzt den Namen des Landes aus dem Rumänischen, als offizielle Landesprache der gut drei Millionen Bewohner, neben Russisch, Ukrainisch und Gagausisch.

Offiziell trägt das Land zwischen Rumänien und der Ukraine im Deutschen den Namen Republik Moldau.

Ergänzung aus dem Alltag:

Rumänisch sprechen die Moldauer so, wie die Österreicher Deutsch sprechen, meinen Rumänen.

Das Bekenntnis zur rumänischen Muttersprache gilt den Moldauern auch als Bekenntnis zum europäischen Weg ihres Landes. Zusammen mit Jugendlichen aus der Diaspora rezitiert Premierminister Iurie Leanca die moldauische Hymne: „Unsere Sprache ist uns heilig“- Minute/Timecode 1:08. Quelle: Youtube – Regierung der Republik Moldau (www.gov.md)
http://youtu.be/Xd_IGRw9AZQ

Republik Moldau – klein, aber fein – Der Kulturreiseführer aus erster Hand.

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

Kommentare (3)

Jurij Akkerman am

Ich glaube, dass weder aus dem Russischen stammende „Moldawien“, noch künstliche offizielle Bezeichnung
„Moldau“ richtig ist. Nur „Moldova“, so nennt man das Land in anderen Sprachen.

momel am

ich meine, die deutsche Bezeichnung „Moldau“ kann zur Verwechslung führen : es gibt doch eine Fluß gleichen mit Namen?

    Andi am

    Ja, genau deshalb mag ich persönlich die Bezeichnung „Moldau“ auch nicht, auch wenn sie wohl „korrekter“ wäre. Für bleibt es als Moldawien 😉

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