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31. August 2014

Urlaub daheim: Viele Rumänen machen es wie Prinz Charles

Rumänien sei „ein Garten der Karpaten“ und habe den Reisenden „mehr zu bieten als jedes andere Land dieser Erde“, so das staatliche Tourismusamt. Doch die neue Freude der Rumänen am Heimaturlaub hat ganz andere Gründe: Prinz Charles verbringt seit Jahren im Frühsommer seine Urlaube in Transsilvanien. His Royal Highness hat vielen Rumänen die Augen geöffnet für die historische bäuerliche Architektur und die Naturwunder des größten zusammenhängenden Waldgebietes West- und Mitteleuropas mit Bären, Wölfen und Luchsen. Transsilvaniens Tierwelt hat es dem Britischen Thronfolger so sehr angetan, dass er sogar ein kleines Anwesen in Deutsch-Weißkirch, direkt an der Straße zur Kirchenburg, gekauft hat und regelmäßig dort nächtigt.

Sein Beispiel macht Schule. Immer mehr kommen auf den Geschmack Urlaub daheim zu machen. Es mag an den kulturell unterschiedlich geprägten Regionen liegen, die es zum Beispiel in Transsilvanien zu entdecken gibt, wie das Motzenland, die Maramuresch und das Szekler-Land mit ihren ursprünglichen Bräuchen und Festtagstrachten. Andererseits haben sich mehr als die Hälfte aller Rumänen im letzten Jahr überhaupt keinen Sommerurlaub leisten können, nur 10% von ihnen machten Urlaub im Ausland. Der Kultur- und Natururlaub in Transsilvanien ist da eine echte Alternative. Die Rumänen interessieren sich dabei weniger für Reisen auf den Spuren eines imaginären Draculas, sondern für die Schnapsbrenner und Holzschnitzer in der Maramuresch zum Beispiel, wo im August das große Heiratsfieber ausbricht und Hochzeiten mit bis zu 1.000 Gästen gefeiert werden. Allein den in Endlosschleife dazu aufspielenden „Ceterasi“ zuzuhören, und den mit zwei Partnerinnen zugleich tanzenden gestanden Mannsbildern in ihren lustigen Trachten zuzusehen, ist ein Erlebnis. Die Transsilvanien-Schwärmerei tut ihr übriges und macht die Region immer populärere.

Viele „Heimaturlauber“ wählen auch den Kulturtrip durch Siebenbürgen: Seine spätmittelalterlich geprägten Stadtkerne und jahrhundertealten Kirchenburgen gehören zum Weltkulturerbe und liegen zwischen bewaldeten Hügeln und von Wildblumen übersäten Wiesen. In den Westkarpaten begeben sich Entdeckungsreisende unter Tage, um die vor mehr als 2000 Jahren gemeißelten römischen Stollen der Goldbergwerke zu besuchen. Die Wanderer aber schwärmen von den nordöstlichen Waldkarpaten, den südlichen Fogarascher Bergen oder dem Königsstein.

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

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