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28. August 2014

Westbalkan-Staaten auf dem Weg in die EU? Vor der Berliner Konferenz

Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen sich 7 jugoslawische Nachfolgestaaten plus Albanien zur Westbalkankonferenz in Berlin. Einige sind schon in der EU, wie Slowenien und Kroatien. Die anderen wollen in die EU:

Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen sich 7 jugoslawische Nachfolgestaaten plus Albanien zur Westbalkankonferenz in Berlin. Kollage: Earthstar Geographics SIO © 2014 Microsoft Corporation/br.de
Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen sich 7 jugoslawische Nachfolgestaaten plus Albanien zur Westbalkankonferenz in Berlin. Kollage: Earthstar Geographics SIO © 2014 Microsoft Corporation/br.de

Albanien hat noch unberührte Berglandschaften, wunderschöne Küsten und eine junge Bevölkerung. Dennoch gilt das Balkanland als Inbegriff von Korruption, Rückständigkeit und Organisierter Kriminalität.

Der sozialdemokratische Premier Edi Rama sagt immer wieder, bis nach Europa sei es ein weiter Weg. Auch Albanien ist seit diesem Jahr EU-Beitrittskandidat. Warum ist das so? Das kleine Balkan-Land wird immer wichtiger, denn ab 2019 soll Erdgas aus dem Kaspischen Meer via Albanien nach Italien, und damit Westeuropa, fließen.

„Albanien – Ein widersprüchliches Land vor der EU-Tür“ – Ein Audio-Beitrag von Stephan Ozsváth

Der albanische Premier Edi Rama verkündet im Juni 2014 den EU-Beitrittskandidatenstatus seines Landes - Foto: picture alliance / dpa
Der albanische Premier Edi Rama verkündet im Juni 2014 den EU-Beitrittskandidatenstatus seines Landes – Foto: picture alliance / dpa

Der Nachbarstaat Kosovo ist nicht einmal von allen 28 EU-Mitgliedstaaten anerkannt. Spötter sagen, der jüngste Staat Europas sei vor allem eins: Heimstatt einer Mafia ehemaliger UCK-Kämpfer. Doch auch in Prishtina zeigen die Uhren auf Europa. Immerhin gibt es erste Vereinbarungen mit Serbien, die sich im Alltag auswirken. Auch eine internationale Telefon-Vorwahl soll Kosovo bekommen – bislang gilt die von Monaco im albanischen Teil, und die von Serbien in den serbisch bewohnten Gebieten.

Serbien, das Kosovo offiziell immer noch als südserbische Provinz ansieht, hat sich auch auf den Weg nach Europa gemacht. Ehemalige Nationalisten sind plötzlich Pro-Europäer, bis 2020 – eher jedoch später – will Serbien ein Mitgliedstaat der Europäischen Union sein. Der aktuelle Konflikt mit Russland zeigt: Serbien verspricht ein eigenwilliger Partner zu werden.

 „Serbischer Spagat – Keine serbischen Sanktionen gegen Russland“ – Ein Audio-Beitrag von Karla Engelhard

Der serbische Präsident Tomislav Nikolic (li.) und der russische Präsident Wladimir Putin (re.) bei einem Treffen in Sochi 2013 - Foto:  picture alliance / dpa
Der serbische Präsident Tomislav Nikolic (li.) und der russische Präsident Wladimir Putin (re.) bei einem Treffen in Sochi 2013 – Foto: picture alliance / dpa

Die Küsten und Berglandschaften Montenegros sind ein Traum. Doch in Podgorica regiert seit vielen Jahren ein Mann, der immer wieder mit Zigarettenschmuggel in Verbindung gebracht wurde. Journalisten, die Milo Djukanovic kritisieren, leben gefährlich. Dennoch ist der Mini-Staat Montenegro EU-Beitrittskandidat. Einen Vorgeschmack gibt es schon: Offizielle Währung ist der Euro.

Mazedonien ist seit Jahren in der Warteschleife. Schon der Landesname der ehemaligen jugoslawischen Provinz sorgt beim Nachbarn Griechenland seit Jahren für Ängste – weil es dort eine Provinz namens Makedonien gibt. Nationalisten auf beiden Seiten schenken sich dabei nichts. Der Namenstreit blockiert die EU-Annäherung Mazedoniens seit Jahren, auf internationalem Parkett muss das Land mit dem Kunstnamen FYROM auftreten, auf Deutsch: Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien. Das lange Warten tut Mazedonien nicht gut – das Land, das einen großen Bürgerkrieg verhindert hat, wird zunehmend erschüttert von ethnischen Spannungen zwischen slawischen Mazedoniern und ethnischen Albanern.

Ewiges Sorgenkind ist Bosnien und Herzegowina. Noch immer ein internationales Protektorat, kommt das kleine Balkan-Land – auch fast 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg – nicht auf die Beine. Ethnische Spannungen entwickeln ungeheure Fliehkräfte, Korruption ist allgegenwärtig, der politische Fortschritt geht gegen Null. Hinzu kommen aktuell die dramatischen Folgen des Hochwassers, die das Land weiter zurück werfen.

Sorgen bereitet, dass in dieser Region, die Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident ist, zunehmend Islamisten ihren Nachwuchs für Kriege in Syrien und dem Irak rekrutieren. Um Einfluss ringen auch arabische Emirate, die Türkei im neo-osmanischen Fahrwasser, die USA und Russland.

„Vor der Balkan-Konferenz – warum sich Berlin neu engagiert“ – Ein Audio-Beitrag von Ralf Borchard

Treffen in Dubrovnik am 15.07.2014, Ivo Josipovic - Präsident Kroatien (re.), Angela Merkel - Bundeskanzlerin Deutschland (2. v. re.), Borut Pahor - Präsident Slowenien (3. v. re.), Bujar Nishani - Präsident Albanien (li.) - Foto: picture alliance / dpa
Treffen in Dubrovnik am 15.07.2014, Ivo Josipovic – Präsident Kroatien (re.), Angela Merkel – Bundeskanzlerin Deutschland (2. v. re.), Borut Pahor – Präsident Slowenien (3. v. re.), Bujar Nishani – Präsident Albanien (li.) – Foto: picture alliance / dpa

Bundeskanzlerin Merkel hat jüngst in Dubrovnik das Versprechen des EU-Gipfels von Thessaloniki (2003) erneuert: Alle Staaten des Westbalkans sollen zur EU gehören. Damit erinnert sich die europäische Staatengemeinschaft an ihre Ursprünge: Als Friedensgemeinschaft kann sie am ehesten die ethnischen Spannungen lösen – so die Hoffnung.

Und da die EU-Mitgliedschaft nur zum Preis von tiefgreifenden Reformen zu haben ist, wird es die Länder des Balkans einen Schritt nach vorne bringen – zusammen mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Die gibt es nicht zum Nulltarif.

Und das ist auch keine Einbahnstraße, nach dem Motto: Deutschland wird zum Zahlmeister. In den Balkan-Ländern lässt sich Geld verdienen. Das haben die Beitritte der Vergangenheit gezeigt. Vor allem deutsche Unternehmen werden davon weiter profitieren. Wie das geht, dafür gibt es bereits genügend Beispiele.

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