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26. August 2014

Österreich: Michael Spindelegger – Der Möchtegern-Kanzler tritt zurück

„Vizekanzler Spindelegger tritt zurück“ – Ein Audio-Beitrag von Franz Bumeder

 

Österreich: Vizekanzler und Finanzminister Michael Spindelegger packt seine Sachen - Foto: picture alliance / dpa
Österreich: Vizekanzler und Finanzminister Michael Spindelegger packt seine Sachen – Foto: picture alliance / dpa

Seine Auftritte im Wahlkampf waren schon peinlich gewesen. Der eher umgänglich wirkende ÖVP-Chef Michael Spindelegger war von seinen Spin-Doktoren auf hart getrimmt worden. Sein „Ich will Kanzler werden“ kaufte ihm schon damals keiner ab. Und schon vor einem Jahr gab es Rumoren in den eigenen Reihen. Die Rede war von Führungsschwäche. Der mächtige Niederösterreichische Landeshauptmann Pröll diktierte der Presse anlässlich der Koalitionsbildung in Wien seine Vorstellungen in den Block. Eigentlich ein Todesurteil für einen Parteichef. Doch Spindelegger hielt sich erstaunlich lange an der Spitze der ÖVP, wurde wieder Vizekanzler, und wechselte vom Außenministerium ins Finanzministerium. Und weder hie wie da hatte er eine besonders glückliche Hand. Spindelegger sorgte u.a. mit dem Rückzug der Austro-Blauhelme vom Golan für noch weniger Präsenz der Alpenrepublik auf internationalem Parkett. In Brüssel sah man ihn kaum. Im Finanzministerium – so wurde kolportiert – war er ahnungslos. Seine Beamten regierten für ihn.

An Spindeleggers Stuhl haben die Landesfürsten gesägt, die traditionell in der ÖVP sehr mächtig sind. Aber das Fass zum Überlaufen brachte vermutlich der Tiroler Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl. Der meinte in einer Art Fundamentalkritik am Parteichef, die ÖVP brauche jemanden, der das Volk vertritt und nicht die Lobbyisten. Bei dieser Breitseite ging es um die angekündigte Steuerreform. Die hatte der Finanzminister nach Meinung seiner Kritiker nur unzureichend umgesetzt. In seiner Rücktrittserklärung meinte Spindelegger: Ohne Zusammenhalt sei der Moment gekommen, das Ruder zu übergeben.

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