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21. August 2014

Die „Deutsche Schule“ in Sofia – Warum Bulgaren nach deutschem Lehrplan pauken

Das bulgarische Schulsystem erlaubt es Schülern, nach der siebten Klasse, eine weiterführende Schule zu besuchen, um eine Zusatzausbildung zu absolvieren. Dafür können sie aus einer Reihe staatlicher Schulen wählen, die in der Regel auf einen Fachbereich wie Fremdsprachen, Mathematik oder Gesellschaftswissenschaften spezialisiert sind. Sie können sich auch für einen „ausländischen Schultyp“ entscheiden. Zu den beliebtesten Schulen in Sofia gehört seit über 15 Jahren eine deutsche Schule, die Schule “Prof. Konstantin Galabov“. Dieses Jahr wurde sie sogar auf Platz 1 gewählt, und ist damit eine der besten weiterführenden Schulen in Bulgarien. Ihr Besuch ist zwar kostenlos, aber nur die besten bulgarischen Schüler schaffen die Aufnahmeprüfung. „Unseren guten Ruf haben wir uns im Laufe der Jahre durch hervorragende Ergebnisse erarbeitet“, sagt die Direktorin Vera Katrandjieva. Nicht zuletzt kommt das große Interesse auch daher, dass die deutsche Sprache den jungen Bulgarinnen und Bulgaren Türen zu einer Karriere auf dem europäischen Arbeitsmarkt öffnet.

Besonders wichtig ist das Programm des sogenannten „Deutschen Seminars“, das in einer Zusammenarbeit der deutschen und bulgarischen Regierungen im Jahre 1998 entstand. Nur die besten 50 Schüler werden in das Lernprogramm aufgenommen. Es basiert auf dem Lehrplan der weiterführenden Schulen (Realschule und Gymnasium) in Deutschland. Die meisten Lehrer sind Muttersprachler, der Abschluss entspricht dem einer deutschen Schule. „Diese Art von Zusatzausbildung schafft bei den Schülern die ideale Basis für eine Aufnahme bei angesehenen Universitäten in Deutschland oder in anderen EU-Ländern.“, meint Katrandjieva. Sie helfe den Schülern im Ausland zu studieren, und die Anforderungen für ein Vollstipendium oder ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes zu erfüllen. „Über 50 Prozent der Schüler in den Abschlussklassen wollen Bulgarien zumindest zeitweise verlassen. Die meisten studieren danach in Deutschland, am liebsten in Mannheim, Freiburg oder Berlin“, sagt Katrandjieva. „Einige wenige entscheiden sich für die USA.“ Die beliebtesten Studiengänge sind derzeit Medizin, Architektur, Bautechnik und Jura.

Antonii Vutchev und Ina Georgieva gehörten zu dieser Gruppe. Beide durchliefen das „Deutsche Seminar“. Antonii beginnt nun sein letztes Jahr an der Schule „Prof. Konstantin Galabov“ und überlegt, wo er sein Traumfach Medizin studieren soll. „Ich hatte gar keine Vorstellung, was diese Schule mir bedeuten würde, als ich mich angemeldet habe. Ich bin meinen Eltern so dankbar, dass sie darauf bestanden haben, mich bei dieser Schule einzuschreiben.“ Doch, auch wenn er sich für ein Medizinstudium in Deutschland entscheidet, so möchte er langfristig nach Bulgarien zurückkehren und sich hier sein Leben aufbauen. „Ich glaube, Bulgarien braucht neue professionelle medizinische Fachkräfte“.

Ina dagegen will nach Deutschland, um dann auch dort zu bleiben. Sie hat vor Psychologie in Berlin zu studieren und irgendwann einmal als Journalistin zu arbeiten. „Das wird nicht leicht, aber ich krieg‘ es hin“, sagt Ina ganz im Sinne des selbstbewussten Geistes, der an ihrer Schule unterrichtet wird.

Mitarbeit: Camelia Ivanova

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