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4. August 2014

Die Serbische Regierung auf „Klassenfahrt“

„100 Tage Regierung Vucic – Serbien droht der Bankrott“ – Ein Audiobeitrag von Ralf Borchard

 

Der Eine schlüpft in die Rolle des Busschaffners und bittet die Passagiere, Kleingeld für die Fahrscheine rauszurücken, der Andere singt aus voller Brust in seiner selbstinszenierten Musik Show, begleitet von Akkordeon und Gitarre, während der Dritte Selfies mit seinen Kumpels macht und sie auf Twitter postet.

Ein Kegelverein auf Ausflugs-Tour, oder eine feuchtfröhliche Klassenfahrt? Weit gefehlt. Hier ist die komplette serbische Regierung unterwegs zur Regierungssitzung.

Schaffner ist Verteidigungsminister Gasic, der mehr oder weniger begabte Sänger Außenminister Ivica Dacic. Die twitternden Kumpanen Aleksandar Antic, Nikola Selakovic und Nebojsa Stefanovic bekleiden die Ressorts Verkehr, Justiz und Polizei. Und der Klassenlehrer? Der strenge Premier Aleksandar Vucic, stets bemüht seine intellektuellen Stärken zu beweisen, spielte mit seinem Musterschüler, Arbeitsminister Aleksandar Vulin, Schach.

http://youtu.be/zkTVRzQ9DGE?list=UUsr-i_UCsdWbHRQyXHo8M5w

Alles dies spielte sich auf den zwei Etagen eines komfortablen Reisebusses zwischen Belgrad und Nis ab. Premier Vucic hatte strenge Sparmaßnahmen hinsichtlich der Nutzung von Staatskarossen angeordnet und zum öffentlichen Beweis, wie ernst es ihm ist, verdonnerte er kurzerhand seine komplette Regierung zur Busfahrt – zumindest dieses Mal. Die fröhliche „Schulklasse“ fuhr nach Nis, der drittgrößten serbischen Stadt, 240 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Belgrad gelegen. Nis war vom Sommer 1914 bis 1915 die Kriegshauptstadt Serbiens, und dort wollte man mit einer öffentlichen Regierungssitzung des 100. Jahrestags der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung und des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs gedenken.

Mit an Bord waren Journalisten der wichtigsten serbischen Medien, die die Gelegenheit (oder die Aufgabe?) hatten, die serbischen Spitzenpolitiker als „Menschen wie du und ich“ zu erleben und darüber natürlich auch berichten sollten. Ergo: so wie sie sich gegeben haben, stellen sich Politiker „normale“ Menschen in Serbien vor: lustig und fidel.

Angesichts der schweren Wirtschaftskrise, niedriger Löhne und hoher Arbeitslosigkeit sind die meisten Serben jedoch nicht so guter Stimmung.

Mitarbeit: Dejan Stefanovic

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