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29. Juli 2014

Menü mit Migrationshintergrund – Das „Purple Eat“ in Wien

„Menü mit Migrationshintergrund“ – Ein Audio-Beitrag von Srdjan Govedarica

 

Das „Purple Eat“ am Meidlinger Markt in Wien ist kein gewöhnliches Lokal. Hier kochen ausschließlich Flüchtlinge, die von Abschiebung bedroht sind. Eine davon ist Magda Nevariani. Die 29-jährige Georgierin ist vor acht Jahren nach Wien gekommen, ihr Aufenthaltsstatus ist seitdem ungeklärt, ihre Zukunft in Österreich ungewiss.

Auf der Suche nach Fehlern der Behörden

Um Menschen wie Magda Nevariani kümmert sich der Wiener Verein „Purple Sheep“, der das Restaurant betreibt. Der Verein hat in Wien ein Wohnhaus gemietet – das so genannte „Freunde Schützen Haus“ – in dem Flüchtlinge kostenlos ein Dach über dem Kopf und rechtliche Betreuung finden können. Dort kann sich jeder melden, der glaubt, dass mit seinem Asylverfahren etwas nicht stimmt – das kann zum Beispiel eine schwere Krankheit sein, die die Behörden nicht berücksichtigt haben. Rechtsexperten des Vereins prüfen dann jeden Fall. Wenn sie Fehler entdecken, rollen sie die Asylverfahren neu auf. Und das mit Erfolg: In den vergangenen vier Jahren hat der Verein, nach eigenen Angaben, fast 600 Menschen betreut – kein einziger ist abgeschoben worden.

Gute Küche als Aufgabe

Neben der ständigen Angst, abgeschoben zu werden, leiden die Flüchtlinge darunter, dass sie nicht arbeiten dürfen und keine richtige Aufgabe haben. Da im „Freunde Schützen Haus“ ohnehin viel und gut gekocht wird, lag die Idee nahe, ein Restaurant zu eröffnen. Seitdem bewirten die Flüchtlinge am Meidlinger Markt Gäste mit Speisen aus ihren Heimatländern. Da sie keine Arbeitsgenehmigungen haben, bekommen die Mitarbeiter des „Purple Eat“ auch kein Geld – die Erlöse gehen an das „Freunde Schützen Haus“.

PR-Maßnahme für die Sache der Flüchtlinge

Um Geld geht es den „Purple Eat“-Mitarbeitern auch nicht. Das Restaurant „Purple Eat“ ist so etwas wie eine PR-Maßnahme für ihre Sache. Hier können sie sich präsentieren, mit Österreichern in Kontakt kommen und zeigen, dass sie keine zwielichtigen Gestalten sind. Weil sie im Viertel nun bekannt sind, genießen sie auch einen gewissen Schutz vor – wie sie sagen – „Übergriffen der Fremdenpolizei“. Und auch die Restaurantgäste haben etwas davon – sie bekommen außergewöhnliche Internationale Küche für kleines Geld.

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