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8. Juli 2014

Iran-Atomgespräche … und sie reden und reden und reden

Die Eindrücke unseres Reporters Ralph Gladitz zu den Iran Gesprächen in Wien:

Ohne Akkreditierung kein Zutritt. Foto: BR | Ralph Gladitz
Ohne Akkreditierung kein Zutritt. Foto: BR | Ralph Gladitz

Wir Journalisten stehen wieder mal in den Fluren des Tagungsgebäudes in der Wiener UNO-City und warten auf Neuigkeiten. Keine Pressekonferenz ist angekündigt, keine Politiker irgendwo auszumachen. Vereinzelt sehen wir iranische Kollegen am Telefon oder ihr Laptop bearbeitend. Noch geben sie sich optimistisch und zitieren den Sprecher des iranischen Außenministeriums mit den Worten „Wir werden die Gespräche fortführen und Ergebnisse erzielen.“ Britische und US-amerikanische Medien rechnen eher mit einem Scheitern auch dieser Runde.

Dabei sollen es nun wirklich die letzten Gespräche sein. Acht Jahre bereits reden Vertreter des Irans mit den UN-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien plus Deutschland über das iranische Atomprogramm. Der Iran besteht auf seinem Recht, Atomenergie zu nutzen. Die anderen, v.a. die USA, fürchten die Produktion von Atomwaffen. Es gab Drohungen, Sanktionen und Ende letzten Jahres einen ersten Kompromiss. Bis zum 20. Juli wollen sich beide Seiten nun endgültig einigen.

Es ist ein Pokern und Zahlenfeilschen. Einer Urananreicherung auf 5 Prozent hat die P5+1-Gruppe bereits zugestimmt. Damit kann der Iran in seinen Atomkraftwerken Energie gewinnen. Für eine Atombombe bräuchte er auf 90 Prozent angereichertes Uran. Was nur mit sehr vielen Zentrifugen geht. 19.000 besitzt der Iran bereits, auf 50.000 wollte er erweitern, so die iranischen Diplomaten zu Beginn der Verhandlungen. Die Gegenseite will eine Reduktion auf wenige tausend. Das soll dazu führen, dass der Iran dauerhaft mindestens ein halbes Jahr bräuchte, um nuklearwaffenfähiges Uran herzustellen.

http://youtu.be/rOJISQyqB_Y?hd=1

Das einzig Substantielle, was bislang nach außen drang sind die Aussagen eines westlichen Diplomaten, wonach der Iran nun nicht mehr unbedingt 50.000 Zentrifugen zur Urananreicherung bauen will. Aber nur noch wenige tausend, wie die USA es verlangen, das wollen die Iraner dann auch nicht akzeptieren. Es bleibt ein schwieriges Verhandeln. Und wir müssen wohl weiter „Standby“ stehen, jederzeit bereit, mit Kamerateam quer durch die Stadt zur UNO-City herbeizueilen, um uns dann in der Medienmeute einen Gesprächsfetzen aus Diplomatenmunde zu schneiden. Und dann wohl doch wieder nur zu erfahren, das die Gespräche fortgesetzt werden…

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