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28. Juni 2014

Trianon: Die Folgen des Ersten Weltkrieges

Ungarns Trauma Trianon, ein Beitrag von Stephan Ozsváth:

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel das Vielvölkerreich der Habsburger. Die Siegermächte besiegelten dies mit den Pariser Vorort-Verträgen von Trianon, am 4.Juni 1920 unterzeichnet.

Insbesondere das mit den Habsburgern verbundene Ungarn verlor zwei Drittel seines Territoriums an die Anrainerstaaten, mehrere Millionen Ungarn lebten jetzt als Minderheiten in anderen Staaten. So besiegelte Trianon die tschechoslowakische Republik (1918 gegründet). Kroaten, Slowen und Serben gründeten einen Nationalrat, nahmen keine Weisungen aus Budapest mehr entgegen – ein gemeinsamer Staat der Südslawen entstand das serbisch-kroatisch-slowenische Königreich. Siebenbürgen ging an Rumänien, das während des Krieges die Seiten gewechselt hatte. Deutsch-Westungarn (Burgenland), sollte Österreich angegliedert werden. Das verhinderten ungarische Freischärler zunächst. Eine Volksabstimmung in Sopron besiegelte 1921, dass die Stadt zu Ungarn kam. Ohne Referendum wurde jedoch der Großteil des Burgenlandes Österreich zugeschlagen.

Mahnwache am Horthy Mausoleum. Foto: BR | Stephan Ozsváth
Mahnwache am Horthy Mausoleum. Foto: BR | Stephan Ozsváth

Das „Trauma von Trianon“ bestimmt seit Jahrzehnten das ungarische Denken und Fühlen. In der Zwischenkriegszeit unter dem autoritären Reichsverweser Miklós Horthy mussten ungarische Schüler für die „ungarische Wiederauferstehung“ beten. Nem, nem, soha – Nein, nein niemals – das war das außenpolitische Motto Horthys, das dreifache Nein (Tria-Non) der Ungarn, sich mit den Gegebenheiten abzufinden. Horthy ließ sich mit Hitler ein, um die verlorenen Gebiete wieder zurück zu bekommen, was zum Teil auch – vorläufig – gelang (Wiener Schiedssprüche), nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Rad der Geschichte aber zurück gedreht. „Das ungarische Nationalbewusstsein geht davon aus, dass das historische Ungarn das echte Ungarn ist, das kleine Ungarn aber nicht“, sagt der Leiter des Budapester Habsburg-Institutes, András Gerö, „Dabei nimmt man nicht zur Kenntnis, dass mit dem Zerfall des Habsburgerreiches Groß-Ungarn nicht aufrecht zu erhalten war“. Er räumt allerdings ein, dass der Vertrag von Trianon insofern „ungerecht war, als kompakte ungarische Siedlungsgebiete anderen Staaten zugeschlagen wurden“.

CDs Bis heute wirkt das Trauma nach. Die rechtsextreme Partei Jobbik und ihr verbundene Rechtsrock-Bands fordern „Weg mit Trianon“. Und auch die national-konservative Regierung Orban hat die etwa zweieinhalb Millionen Auslandsungarn im Blick: Sie haben jetzt das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft und das Wahlrecht. Die Regierung unterstützt Autonomie-Forderungen in Siebenbürgen und der Karpato-Ukraine. Der Budapester Historiker András Gerö meint, das könne man schon für „Revisionismus light“ halten, „wenn ein Staat seine Hoheit auf diese Gebiete ausdehnt“.

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