Archiv
16. Juni 2014

Das erste WM-Spiel der bosnisch und herzegowinischen Nationalmanschaft kommentiert von Miljenko Jergovic: Das Angsttor

Schon jetzt heißt es, dass dies das schnellste Eigentor in der Geschichte war. Es fiel in der dritten Minute. Ein Angst-Tor. Etwas, mit dem sich jeder Mensch identifizieren kann. Die bosnische Elf betrat Rasen des Maracana-Stadions, dieses heiligen Ortes der Fußballmythologie, mit deren Legenden ganze Generationen von Jugoslawen aufgewachsen sind. Maracana stand immer für einen himmlischen Tempel, war das Stadion aller Stadien, unvergleichlich und so groß, dass es nicht wahrscheinlich war, die eigene Mannschaft dort je zu erblicken. Maracana gibt es vielleicht gar nicht. Vielleicht ist es nur der Traum von einem Stadion, der Traum von Pele und Brasilien, von einem Stadion, in das einmal zweihunderttausend Menschen passten. Aber damals stand man noch im Stadion, heutzutage muss jeder seinen Sitzplatz haben und so reicht es nur noch für achzigtausend. Das ist mehr als Zenica Einwohner hat, und in Zenica spielte die Nationalmannschaft Bosnien und Herzegowinas Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft.

Miljenko Jergovic schaut das Spiel zusammen mit seinem montenegrinischen Freund und Schriftsteller Milorad Popovic bei einer Kultur-Konferenz im Hotel Balatura (Kroatien)
Miljenko Jergovic schaut das Spiel zusammen mit seinem montenegrinischen Freund und Schriftsteller Milorad Popovic bei einer Kultur-Konferenz im Hotel Balatura (Kroatien)

Und in diesem Maracana-Stadion standen sie im ersten Spiel, das Bosnien in einer Weltmeisterschaft spielen sollte, einem Argentien im Duell gegenüber. Jener Mannschaft, die zweimal Weltmeister war und es vielleicht wieder wird und in der zehn glänzende Fußballer spielen und ein Lionel Messi. Ein kleiner, zierlicher Mozart, der dritte Halbgott in der Geschichte des Fußballspiels, nach Pele und Diego Maradona.

Und im Publikum sitzen, sagt der Fernsehreporter, drei bis viertausend bosnische Fans. Ein paar Brasilianer und ganz Zenica – die Fans der Argentinier. Eine Wahnsinnsatmosphäre. Das Herz bricht einem von diesem Stadionlärm und im Zuschauer kommen Erinnerungsbilder auf. Mein Gott, und erst die Bilder, die bei den bosnischen Spielern aufkommen!

Mir fällt der Kapitän der jugoslawischen Nationalmannschaft Faruk Hadžibegić ein, der am 30. Juni 1990 in Florenz im Viertelfinale der Weltmeisterschaft einen Elfmeter gegen den argentinischen Tormann Goycoechea ausführte. Argentinien verteidigte den Titel des Weltmeisters, den es vier Jahre zuvor in Mexiko erhalten hatte, das Spiel endete in der regulären Spielzeit mit 0:0, dann wurden Elfmeter geschossen und der Kapitän macht den entscheidenden Schuss. Hadžibegić ist, wie er in seiner Kolumne vor dem Spiel gegen Argentinien bemerkt, der letzte Bosnier, der mit seiner Nationalmannschaft an einer Weltmeisterschaft teilnahm. Damals war es Jugoslawien. Dann kam ein furchtbarer Krieg, Jahre der ethnischen Säuberung, der Verzweiflung und Emigration, und es sah aus, als könnten Bosnier nur noch in ausländischen Nationalmannschaften auftreten, für Kroatien, Serbien, Slowenien, Schweden, die Schweiz…

Die Spieler, die auf das Feld in Maracana treten, waren gerade einmal geboren, als Goycoechea Hadžibegićs Schuss abwehrte und Jugoslawien sich nicht im Halbfinale der WM in Italien platzieren konnte. Edin Džeko war vier Jahre alt, Sead Kolašinac wurde erst drei Jahre nach Hadžibegićs Elfmeterschuss geboren. Genauer gesagt, drei Jahre minus zehn Tage, am 20. Juni 1993 in Karlsruhe. Als Gastarbeiterkind oder Kriegsflüchtling, was eigentlich egal ist. Und so eine Nationalmannschaft ist das: zusammengestellt aus einer Generation, die im bosnischen Krieg geboren wurde und keine schönen Erinnerungen an ihr Land hat. Sie erinnern sich nicht, dass Bosnien einmal reich und schön war, naiv davon überzeugt, dass seine ethnische und religiöse Vielfalt es vor allem Bösen beschützen würde. Bosnien ist das Kaschmir Europas. Deshalb wurde es auch so leichtfertig geopfert. Die Europäer haben einfach nicht verstanden, was Kaschmir darstellt und wieso es so wichtig ist, bis Salman Rushdie es ihnen in einem Roman erklärt hat. Aber da war es für Kaschmir und Bosnien schon zu spät.

Und so sah das Angst-Tor aus:
In der dritten Minute wurde ein Freistoß von der linken Seite ausgeführt und der Ball überflog zwei Spieler im Sprung, einen Argentinier und einen Bosnier, der dritte, Ermin Bićakčić mit der Nummer drei auf dem Trikot, noch ein Bosnier mit deutscher Kindheit, duckte sich, als gäbe es ihn nicht und verfehlte den Ball, der wiederum Sead Kolašinac am Fuß trifft und ins Tor abprallte. So unausweichlich, einfach und eigentlich ganz langsam. So langsam, dass der Zuschauer über alles nachdenken konnte, lange nachdenken, während er den Flug des Balles beobachtet und seine langsame Wendung in Richtung Tor, als läse er die langsame Eröffnung von Don Delillos Roman „Unterwelt“. Nur, dass in dem Buch ein Baseball fliegt.

Ab diesem frühen Tor befand sich Bosnien und Herzegowina geradezu in seinem natürlichen Zustand. Sie spielten wie Verlierer und hielten sich die nächste Stunde glänzend. Argentinien wirkte hauptsächlich lustlos und und unorganisiert. Halbgott Messi langweilte sich unter den Menschen, verlor von Minute zu Minute ein bisschen von seiner übernatürlichen Stärke. Die Bosnier schufen Torchancen. Zvjezdan Misimović, noch ein gebürtiger Deutscher, allerdings dem Schicksal und der Herkunft nach Bosnier, belieferte die Stürmer, schickte ihnen präzise Bälle, von denen aber keiner im Tor landete. Manch einem, der einmal die Fußballmythologie für künftige Zeiten weiterschreiben wird, wird wichtig sein, dass Bosnien und Herzegowina eine ganze Stunde überlegener und sicherer wirkte als Argentinien. Aber in der Realität zählt das nicht. Der Unterschied zwischen Mythologie und Realtät liegt in den erzielten Toren. Argentinien führte 1:0, und dann stürmte Messi in Richtung des bosnischen Tors. Bićakčić tat wieder etwas Ungewöhnliches, versuchte den Ball aufzuhalten, indem er den Fuß nach hinten streckte, wie ein Pferd, das austritt, wie ein Grundschüler aus Sarajevo, der auf einem Betonschulhof Kleinfeld-Fußball spielt, aber anstatt Messi aufzuhalten, schafft er es nur, sich in einem Mitspieler zu verheddern.

Aus der Spitze des Fünfmeterraums kommend prallt der Ball amTorpfosten ab und ins Netz. Der Schuss war geradezu schwach, leicht wie beim Billard, so dass der Zuschauer fassungslos feststellt, dass nur ein bisschen fehlte, damit der Ball nicht im Tor gelandet wäre. Ist er aber. Und es hat nicht nur ein bisschen gefehlt. So schiesst Messi eben, dass es einem vorkommt, als fehlte nur ein bisschen und es gibt kein Tor. Leicht und verspielt, süß wie eine Mozartkugel.

Und da hätte das Spiel zu Ende sein müssen.
Zehn Minuten vor Spielschluss verringerte Vedad Ibišević das Ergebnis auf 2:1. Ibišević ist in Amerika aufgewachsen, wo er als Nachkriegsflüchtling hinkam. Es war das erste bosnische und herzegowinische Tor bei einer Weltmeisterschaft nach Hadžibegićs Fehlschuss 1990. In der Zwischenzeit sind vierundzwanzig Jahre vergangen. Und hier liegt der Unterschied zwischen bosnischem und argentinischem oder deutschem Erleben von Fußball. Was Deutsche alle vier Jahre erleben, passiert einem Bosnier vielleicht ein- oder zweimal im Leben. Ich war genau halb so alt wie heute, als Hadžibegić den Elfmeter verschoss.

Können die Bosnier gegen den Iran oder Nigeria genauso wie gegen Argentinien spielen? Das ist eine wichtige Frage, und ich habe den Eindruck, dass es mehr um Mentalität als um alles andere geht. Wenn die Bosnier mit all ihren neuen Notheimaten in Deutschland oder Amerika schon langsam Deutsche und Amerikaner geworden sind, dann können sie gegen den Iran und Nigeria spielen wie letzte Nacht gegen Argentinien. Ansonsten haben sie keine Chance. Denn alles andere ist – nach dem Spiel mit Messi im Maracana – für keinen von uns mehr akzeptabel.


 

Gol primljen iz straha

Argentina – Bosna i Hercegovina 2:1

Netko je već rekao da je to bio najbrži autogol u povijesti svjetskih prvenstava. Pao je u trećoj minuti. Gol primljen iz straha. Nešto sa čime bi se mogao identificirati svaki čovjek. Jedanaestorica Bosanaca izašli su na travnjak Maracane, na to sveto mjesto nogometne mitologije, uz čiju su legendu odrastale generacije Jugoslavena. Maracana je uvijek stajala poput nebeskoga hrama, kao stadion nad svim drugim stadionima, neusporediv i tako velik da nije vjerojatno da ćeš svoj tim ikada na njemu vidjeti. Maracana, možda, i ne postoji. Možda je to samo san o stadionu, san o Peleu i o Brazilu, o areni koja je nekada mogla da primi dvjesto tisuća ljudi. Ali tada se na stadionima stajalo, a sada svatko mora da ima svoju stolicu, pa je mjesta samo osamdesetak tisuća. Više nego što grad Zenica ima stanovnika, a u Zenici je reprezentacija Bosne i Hercegovine igrala kvalifikacijske utakmice za svjetsko prvenstvo.

I na toj su Maracani, u prvoj utakmici koju će Bosna odigrati na jednom svjetskom prvenstvu, izašli na megdan Argentini. Onoj reprezentaciji koja je dvaput bila svjetski prvak, i možda će opet biti, u kojoj igraju desetorica sjajnih nogometaša i jedan Lionel Messi. Mali, pitomi Mozart, treći polubog u televizijskoj povijesti nogometne igre, nakon Pelea i Diega Maradone.

A publika, u publici je, kaže televizijski reporter, i tri-četiri tisuće bosanskohercegovačkih navijača. Nekoliko tisuća Brazilaca, i cijela jedna Zenica – navijača Argentine. Atmosfera je strašna. Takva da od stadionskog huka puca srce, a gledatelju se vraćaju slike iz sjećanja. Kako li se, Bože, vraćaju tim bosanskim igračima.

Sjećam se kapetana reprezentacije Jugoslavije Faruka Hadžibegića, koji 30. lipnja 1990. u Firenci, u četvrtfinalu Svjetskoga prvenstva, šutira jedanaesterac argentinskome vrataru Goycoechei. Argentina brani titulu svjetskog prvaka od prije četiri godine u Meksiku, utakmica je u regularnom toku završila 0:0, izvode se jedanaesterci, i kapetan izvodi odlučujući šut. Hadžibegić je, primjećuje u svojoj kolumni pred utakmicu s Argentincima, posljednji Bosanac koji je za svoju reprezentaciju igrao na Svjetskom prvenstvu. Tada je to bila Jugoslavija. Zatim je uslijedio strašni rat, godine etničkog čišćenja, očaja i emigracije, i činilo se da će Bosanci na svjetskim prvenstvima nastupati još samo za strane reprezentacije, za Hrvatsku, Srbiju, Sloveniju, Švedsku, Švicarsku…

Igrači koji izlaze na travnjak Maracane jedva da su se i rodili u vrijeme kada je Goycoechea obranio Hadžibegiću jedanaesterac, i Jugoslavija se nije plasirala u polufinale Svjetskog prvenstva u Italiji. Edin Džeko imao je četiri godine, Sead Kolašinac rodit će se tri godine nakon Hadžibegićevog jedanaesterca. Tačnije tri godine, manje deset dana, 20. lipnja 1993. u Karlsruheu. Kao dijete gastarbeitera ili ratnih izbjeglica, to je, zapravo, svejedno. Ovo je takva reprezentacija: sačinjena od generacije koja se rađala u bosanskome ratu, i nema lijepih sjećanja na svoju zemlju. Ne pamte da je Bosna nekada bila bogata i lijepa, naivno uvjerena da će ju od svakoga zla zaštititi njezino etničko i vjersko šarenilo. Bosna je Kašmir Europe. Zato je i tako lako i žrtvovana. Europljani nisu baš najbolje shvaćali što je to Kašmir i zašto bi Kašmir bio važan, sve dok im to u jednome romanu nije objasnio Salman Rushdie. Ali bilo je već kasno i za Kašmir i za Bosnu.

Evo kako je izgledao taj gol primljen iz straha.
U trećoj minuti izveden je slobodni udarac s lijeve strane, i lopta je preletjela dvojicu igrača u skoku, Argentinca i Bosanca, treći, Ermin Bićakčić, s brojem tri na dresu, još jedan Bosanac s njemačkim djetinjstvom, sagnuo se, kao da ga nema, i propustio loptu, koja Seada Kolašinca pogađa u stopalo, i odbija se u mrežu. Tako neumitno, jednostavno i, zapravo, vrlo sporo. Toliko sporo da je gledatelj imao vremena da o svemu razmisli, da dugo razmišlja prateći let lopte, i njezino sporo kretanje prema mreži, kao da čita magično otvaranje romana Dona DeLila „Podzemlje“. Samo što je u toj knjizi dugo letjela bejzbolska loptica..

Od toga ranog gola, Bosna i Hercegovina kao da se našla u svome prirodnom stanju. Zaigrali su kao gubitnici, i sjajno se držali sljedećih sat vremena. Argentina je, uglavnom, djelovala bezvoljno i dezorganizirano. Polubog Messi dosađivao se među ljudima, gubeći iz minute u minutu svoje natprirodne moći. Bosanci su stvarali prilike za gol. Zvjezdan Misimović, još jedan rođeni Nijemac, sudbinom i porijeklom Bosanac, razigravao je napadače, slao im precizno adresirane lopte, ali nijedna na kraju nije završila u golu. Nekome će, kada bude stvarao nogometnu mitologiju za neka buduća vremena, biti važno to što je Bosna i Hercegovina cijelih sat vremena izgledala moćnije i sigurnije od Argentine. Ali to se u stvarnosti ne računa. Razlika između povijesti i mitologije je u postignutim golovima. Argentina je vodila 1:0, a onda se Messi sjurio prema bosanskom golu, Bićakčić je opet izveo nešto neobično, pokušavajući ga zaustaviti ispruživši unatrag nogu, kao konj koji se ritnuo, kao sarajevski osmoškolac kada igra mali nogomet na betonskom školskom igralištu, ali umjesto da zaustavi Messija, samo je uspio saplesti vlastitog suigrača.

Upućena s vrha šesnaesterca, lopta se od stative odbila u mrežu. Šut skoro da je bio nejak, lagan kao u bilijaru, tako da gledatelju ostane žal i uvjerenje kako je samo malo nedostojalo, pa da ne uđe u mrežu. Ali nije. Nije malo nedostajalo. Tako šutira Messi, da se čovjeku učini da je samo malo nedostajalo pa da lopta ne uđe u gol. Lako i raspjevano, slatko kao Mozart kugla.

I to je trebao biti kraj.
Deset minuta prije završetka utakmice, Vedad Ibišević je smanjio na 2:1. Ibišević je odrastao u Americi, gdje je stigao kao poslijeratni izbjeglica. Bio je to prvi bosanskohercegovački gol na svjetskim prvenstvima, nakon onoga Hadžibegićevog promašaja iz 1990. U međuvremenu prošlo je dvadeset četiri godine. I tu je razlika između bosanskoga i argentinskog ili njemačkog doživljaja nogometa. Ono što se Nijemcima događa svake četiri godine, Bosancu se, možda, dogodi jednom ili dvaput u životu. Bio sam tačno dvostruko mlađi kada je Hadžibegić promašio onaj penal.

Mogu li Bosanci protiv Irana i Nigerije igrati ovako kako su igrali protiv Argentine? To je važno pitanje, i čini mi se da se tiče mentaliteta, više nego ičega drugog. Ako su u tim svojim novim domovinama iz nužde, u Njemačkoj ili u Americi, postali pomalo Nijemci i Amerikanci, tada protiv Irana i Nigerije mogu igrati kao što su noćas igrali protiv Argentine. Inače, nema šanse. Jer tko bi od nas nakon Messija na Maracani pristao na nešto od toga manje?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.