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1. Juni 2014

Ceausescus rumänischer Dacia rollt noch immer

Dacias haben es dem Fotografen Horatiu Sava angetan. Schon seit 2009 fotografiert der Wahlmünchner die alten Wagen rumänischer Produktion und ihre Fahrer/-innen in rumänischer Landschaft: auf morastigen Dorfstraßen, am Rand von Landstraßen, vor Stadtkulisse.

Was der Trabbi für die Ostdeutschen war und VolkswagenAudiBMWMercedes für den Gesamtdeutschen ist, das war für die Rumänen seit Ende der 1960er Jahre der Dacia.

Savas Fotos sind auf den ersten Blick sachlich-nüchtern, doch sie transportieren sehr viel kulturell Relevantes: Durch die Kleidung oder auch den Badeanzug der meist weniger Betuchten. Gleichsam durch den Rückspiegel zeichnet er ein Abbild Rumäniens: der Menschen, der Dörfer, der Städte, der Landschaft.

Auch der Name Dacia selbst ist einige Sätze wert – er zeugt von uraltem Nationalstolz genauso wie von einer aktuellen Erfolgsstory. Denn 100 Jahre nach Christi Geburt waren Dacia und die Dazier, die antiken Vorfahren der Rumänen, bereits ein Begriff in der damaligen Welthauptstadt Rom – dargestellt auf der „Columna Traiana“, der ersten Siegessäule der Geschichte: noch heute mit ihren knapp 30 Metern ein Wahrzeichen der italienischen Hauptstadt.

Heute ist die Rumänen-Marke mit dem Renault-Motor unter der Haube sogar im sprichwörtlichen Autoparadies Deutschland zu einem Begriff geworden: knapp 330.000 (lt. Pressesprecher von Dacia) nach Deutschland verkaufte Dacias sprechen eine deutliche Sprache, selbst ARD-Korrespondent Stephan Ozsvath fährt die unverwüstliche Familienkutsche neuerer Produktion. „Ein Rock´n´Roll-Auto“, sagt er über seinen roten Dacia Logan, „kein Schnick-Schnack“. Will heißen: Keine elektrischen Fensterheber, keine Servolenkung, keine Klimaanlage, keine Zentralverriegelung. Aber er springt auch bei Minus 25 Grad an und fährt und fährt und fährt…

Dacia 1300 Produktion im rumänischen Pitesti damals. - Foto: picture-alliance/dpa
Dacia 1300 Produktion im rumänischen Pitesti damals. – Foto: picture-alliance/dpa

Die alten Dacias, die Fotograf Sava abgelichtet hat, sind auch eine Reminiszenz an die Ceausescu-Zeit. 1968 ließ der rumänische Diktator von Renault die Lizenz für ein schon damals überholtes Modell kaufen… es klappert noch immer über Rumäniens Straßen. Das zeigen uns Savas Fotos.

Dacia und Chauffeur von Horatiu Sava

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

Kommentare (2)

Julian Dunz am

Sehr netter Artikel, aber es stimmt nicht, dass der Dacia 1300 beim Lizenzerwerb 1968 veraltet war. Der Serienstart des Dacia in Rumänien war zeitgleich mit dem identischen Model Renault 12 in Frankreich (anfangs wurden sogar sämtliche Teile aus Frankreich geliefert). Dort wurde das Fahrzeug immerhin bis 1980 gebaut. Der Dacia war also zu seiner Zeit (Ende der 60er Jahre bis Mitte der 70er) ein durchaus modernes Auto.

Heiko Martin am

Der Dacia 1300 ich nenne ihn auch gern „Das rollende Sofa“ weil man so wie auf einem Sofa darinn sitzt

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