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18. Mai 2014

Das Wunder von Gorazde – „Bekto Precisa“ in Bosnien beliefert Autohersteller in aller Welt

Wenn man auf die Armaturen eines Ferraris blickt oder unter die Motorhaube eines Jaguars, der Blinker eines Porsche aufleuchtet – dann sieht man nicht, dass die edlen Bauteile nicht nur aus einer der hauseigenen Fabrikhallen in Maranello, Stuttgart oder Halewood stammen, sondern auch aus Gorazde im tiefsten Bosnien und Herzegowina.

Zu trauriger Berühmtheit gelangte diese Kleinstadt im Jugoslawien-Krieg in den 1990er Jahren: „Muslimische Enklave Gorazde eingeschlossen“, „Serbische Belagerung von Gorazde“, „NATO-Luftabgriffe auf serbische Stellungen in Gorazde“ – das waren damals die traurigen Schlagzeilen.

Gorazde während der Belagerung 1992. Fotoquelle: e-novine.com Foto: tripod.com

Doch trotz unbeschreiblichen Leids, trotz Tod, Zerstörung und Vertreibung gaben die Menschen dieser kleinen Stadt an der Drina nicht auf. Vor allem einer nicht: Redzo Bekto. Jahrelang hatte der gebürtige Gorazder in Deutschland gearbeitet, aber nach dem Krieg sah er seine Chance in der alten Heimat. Er gründete die erste private Fabrik in Bosnien und Herzegowina nach dem Krieg.

Mit acht Mitarbeitern startete der Bosnier 2005 „Bekto Precisa“.Heute haben über 430 Menschen Arbeit bei dem Unternehmen gefunden und 250 weitere Jobs sind in Planung . Denn die bosnische Firma ist Zulieferer für so renommierte Autohersteller wie Audi,  Ferrari, Mercedes, Jaguar, Cadillac, Maybach und sogar Porsche. Zum ersten Mal seit seiner Gründung 1931 hat Porsche mit seiner Tradition gebrochen und lässt Teile in Ausland herstellen – eben bei „Bekto Precisa“.

„Das Wunder von Gorazde“, sagen die Leute hier, und sie meinen damit diese ungewöhnliche Firmengeschichte. Denn die Arbeiter hier verdienen doppelt so viel wie im Rest des Landes. Davon profitiert auch die Stadt Gorazde: Sie hat mit sieben Prozent eine niedrigere Arbeitslosenquote als im EU-Durchschnitt.  Und so ganz nebenbei eröffnet das Wirtschaftswunder von Gorazde ganz neue, natürliche Wege der Versöhnung. Denn Arbeit finden hier nicht nur Bosnier, sondern auch immer mehr Menschen aus dem ehemals verfeindeten Serbien.

Die Kleinstadt Gorazde am Ufer des Flusses Drina im Osten von Bosnien und Herzegowina. Fotoquelle: depo.ba/

Was aber ist das eigentliche Erfolgsrezept? Wenn man das den Unternehmer und seine Tochter Enisa fragt, die  heute die Firma leitet, bekommt man nur eine Antwort: „Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit“.

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