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13. Mai 2014

Autoput – Straße der Begegnung

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Der „Autoput“ war einst die gefährlichste Straße der Welt. Griechische LKW-Fahrer lieferten sich hier Wettrennen mit deutschen Touristen und Gastarbeitern aus Jugoslawien und der Türkei.

Der „Autoput“ war aber auch eine Straße der Begegnung. 1180 Kilometer lang, verband die Verkehrsader Mittel- und Südosteuropa. Er war ein Symbol des sozialistischen Jugoslawiens und wurde voller Stolz „Straße der Brüderlichkeit und Einheit“ genannt. Er verband den Vielvölkerstaat von Slowenien bis an die griechische Grenze. Heute sind das vier Länder aus der Konkursmasse des ehemaligen Jugoslawiens.

Diese Transversale war eine Verbindungslinie zwischen West und Südost. Auf dem Autoput fuhren West-Touristen in ihren Autos genauso wie die jugoslawischen Gastarbeiter in ihren alten Mercedes-Karossen: Die deutschen Nobel-Autos waren das Symbol derer, die „es geschafft haben“. Der Mercedes teilte sich den Asphalt mit dem Yugo, dem Dacia, dem Trabant – es war ein Wettkampf der Ingenieurskunst aus Ost und West.

Im Kofferraum hatten die Gastarbeiter begehrte Artikel für die Verwandtschaft zu Hause: Aspirin deutscher Produktion, 8×4-Seife, Kugelschreiber, Bettwäsche, T-Shirts, Jeans oder Wrigley´s Spearmint-Streifen, die die „Onkel aus dem Westen“ an die Kinder im Heimatdorf verteilen konnten.

Internationale Arbeitsbrigaden bauten in den 60er Jahren mit am „Autoput“ – auch aus dem Westen. So schaufelte und schwitzte Peter Miroschnikoff, früher Leiter im ARD-Studio Südosteuropa, mit beim Bau der Straße – die Westler wurden nach seinen Aussagen besonders intensiv vom jugoslawischen Geheimdienst „betreut“.

Am Rande des Autoput lagen Bulgarien, Albanien – in dem Privatautos verboten waren, Ceausescu-Rumänien – mit eigener Dacia-Produktion und Ungarn – ein „Trabi-Land mit Zsiguli-Träumen“ (Sowjet-Fiat), wie es der ungarische Soziologe Elemer Hankiss einmal formuliert hat.

Steigen Sie ein: Wir nehmen Sie mit auf den Autoput – in die Welt der PVC-Jaguare, Yugos, Dacias und alten Mercedes-Limousinen heute.

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