Archiv
6. Mai 2014

Segel setzen für Putin?!?

300.000 Bulgaren verfolgten am 3. Mai in der Hafenstadt Varna den Auftakt zur spektakulären „Schwarzmeer Großsegler-Regatta“, an der 19 Segelschiffe aus neun Ländern teilnehmen. Unter den Vier- und Dreimastern dominiert das russische Segelschulschiff „Sedov“, mit imposanten 118 Metern das größte traditionelle Segelschiff der Welt in Betrieb, das 1921 in der Kieler Germania-Werft vom Stapel lief. Zum ersten Mal führt die Regatta über das ganze Schwarze Meer vom Bulgarischen Varna nach Novorossiysk und Sotschi in Russland und wieder zurück ins rumänische Constanta.


Die Entscheidung für diese Regatta-Route scheint jedoch nicht nur maritime Gründe zu haben, denn vom russischen Novorossiysk soll die umstrittene „SOUTH STREAM“ Gas-Pipeline durchs Schwarze Meer nach Varna führen und ab 2017 Europa – an der Ukraine vorbei – mit russischem Gas versorgen. Unabhängige bulgarische Medien bezeichnen deshalb die Regatta als russische Propaganda-Aktion, um Stimmung für das Pipeline-Projekt zu machen. So sind die größten Sponsoren der Regatta russische Öl- und Gasunternehmen, überall sind „South-Stream“-Logos zu sehen und in Novorossiysk und Sotschi wird Wladimir Putin höchstpersönlich die Regatta-Teilnehmer begrüßen. Aus seiner Sicht tut das offenbar not, denn sein milliardenschweres Lieblings-Pipeline-Projekt steht auf der Kippe.

Mögliche Optionen der Streckenführung für das Pipeline Projekt „South Stream“ – Grafikquelle: gazprom.com

Im Rahmen der aktuellen Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise hat die EU-Kommission das Projekt de facto auf Eis gelegt – das EU-Parlament fordert sogar, es komplett aufzugeben. Nur die an „South Stream“ beteiligten EU-Länder wie Österreich und Bulgarien halten weiterhin an der Realisierung fest. Jüngst unterzeichnete das österreichische Öl- und Gasunternehmen OMV ein entsprechendes Memorandum mit der russischen Gazprom. Die EU drohte daraufhin Österreich mit Strafmaßnahmen. Daran sieht man: Wie in dem Konflikt um die Ukraine, so auch in der Frage der russischen Gasversorgung Europas, gelingt es Putin offenbar immer wieder, geschickt einen Keil zwischen die EU-Staaten zu treiben. Die Schwarzmeer-Regatta ist da nur ein kleiner Mosaikstein seiner Strategie.

Varna: Segel gesetzt für „South Stream“ – Fotoquelle: dnevnik.bg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.