Archiv
26. April 2014

Der Arzt an der Tankstelle – Wiener Mediziner testet neues Geschäftsmodell

„Der Arzt an der Tankstelle“ – Ein Audiobeitrag von Rupert Waldmüller (BR Vertretung, Studio Wien)

 

Wien, Tankstelle im Bezirk Döbling, an der die Arztpraxis eröffnet wird. Foto: BR | Rupert Waldmüller
Wien, Tankstelle im Bezirk Döbling, an der die Arztpraxis eröffnet wird. Foto: BR | Rupert Waldmüller

Draußen vor der Tankstelle im Wiener Stadtteil Döbling tanken die Kunden ihre Autos auf, drinnen in einer Ecke im Shop neben Eiskratzern, Chips und kaltem Bier soll in einem jetzt noch leeren 8-Quadratmeter-Glaskasten bis Mittwoch die Praxis von Dieter Zakel entstehen.

„Die Praxis schaut aus wie bei jedem guten Landarzt: Schreibtisch, zwei Sessel, Untersuchungsliege, Utensilien mit EKG, Otoskop, verschiedenen anderen Untersuchungsinstrumenten, Waschbecken, Garderobe – alles, was so notwendig ist.“

Ein Arztbesuch so schnell und einfach wie Volltanken. Mit diesem Slogan wirbt der Allgemeinmediziner für sein neues Konzept. Die Idee dahinter: Der Arzt soll dahin gehen, wo die Patienten sind, nicht umgekehrt.

„Weil viele Leute haben ja keine Zeit: Auf dem Weg zur Arbeit, Kind abholen, Arzt nicht da, Termin in drei Monaten und so weiter. Und diese Eintrittsschwelle möchte ich erniedrigen, sodass für alle praktisch das Tor offen ist. Und wo sind die Leute? Am Supermarkt, bei der Tankstelle. Und da gehe ich auch hin.“

Seine bisherige Privatpraxis verlagert Dieter Zakel nun in die Tanke. Von 6 bis 22 Uhr will er hier sieben Tage die Woche Tankstellenkunden behandeln – ohne Termin und ohne Wartezimmer. Für 50 Euro Cash nimmt sich der Mediziner eine Viertelstunde Zeit für den Patienten.

Dr. Dieter Zakel wird in einer Tankstelle seine neue Arztpraxis eröffnen. Foto: BR | Rupert Waldmüller
Dr. Dieter Zakel wird in einer Tankstelle seine neue Arztpraxis eröffnen. Foto: BR | Rupert Waldmüller

„15 Minuten ist mehr, als er wo anders bekommt. Und 80 bis 90 Prozent der Fälle können ja mit einem guten diagnostischen Gespräch und mit Basisuntersuchungen geklärt werden.“

Bei Schnupfen, Husten oder Grippe gibt es gleich ein Rezept und eine Krankschreibung, schwerere Fälle bekommen eine Überweisung zum Facharzt oder Krankenhaus. Eine Arztpraxis in der Tankstelle – so lange sich Dieter Zakel an die geltenden Vorschriften hält, ist das durchaus möglich, sagt Norbert Jachimowicz von der Wiener Ärztekammer:

„Da gibt es gewisse Qualitätskriterien, gewisse Mindestausstattungskriterien. Und wenn er die einhält, kann er auch bei einer Tankstelle ordinieren. Das ist nichts Verbotenes.“

Für die Wiener Ärztekammer ist die Tankstellen-Praxis aber vor allem eines: ein gelungener Marketing-Gag:

„Wir werden das Modell mit Sicherheit nicht fördern, weil wir die Zukunft der Ärzteschaft nicht auf Tankstellen sehen, muss ich ganz offen gestehen. Aber wir werden schauen, wie sich das entwickelt. Wir werden sicher ein genaues Auge auf diese Praxis haben und schauen, ob die Vorschriften entsprechend eingehalten sind. Ob es sich geschäftlich bewährt, habe ich meine Zweifel. Aber das wird die Zukunft zeigen.“

Die meisten Kunden der Tankstelle könnten sich aber durchaus vorstellen, hier auch zum Arzt zu gehen. Drei Monate lang will Dieter Zakel sein Konzept an der Tankstelle nun testen und dann entscheiden, ob es Zukunft hat.

„Wenn es Stoßzeiten gibt, muss man halt einen Kollegen fragen, ob er aushilft. Oder man muss räumliche Gegebenheiten schaffen, man muss sich halt anpassen. Man muss ein Produkt anbieten. Dann muss man es so weit verfeinern, dass jeder es will. Das ist meine Philosophie.“

Wenn die Tankstellen-Praxis funktioniert, will Dieter Zakel das Konzept auch auf andere Tankstellen ausweiten. In Österreich und ganz Europa.

 

Kommentare (1)

nia am

genial!!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.