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3. April 2014

Ungarn wählt – wie „ticken“ junge Ungarn?

Feature von Stephan Ozsvath: Ungarns Jugend – patriotisch, wütend oder auf dem Sprung



Bei der Parlamentswahl in Ungarn fällt eine Partei besonders auf: Jobbik (Die Besseren/Die Rechteren). Die Rechtsextremen sind vor vier Jahren ins Parlament eingezogen, haben dort seitdem Negativ-Schlagzeilen gemacht. Parteichef Vona trat in der Uniform der mittlerweile verbotenen Parteiarmee , der „Ungarischen Garde“ auf. Der Abgeordnete Marton Gyöngyösi forderte öffentlich im Parlament an der Donau „Judenlisten“, was international für Negativ-Schlagzeilen sorgte.

Dominierten vor vier Jahren noch hetzerische Töne („Zigeunerkriminalität“) den Wahlkampf von Jobbik, umschmeichelt die Partei heute mit einem „Zuckerwahlkampf“ auch die Wähler der nationalkonservativen Regierungspartei Fidesz. Sie versuchen sich als die „authentischen Nationalen“ zu verkaufen, als „unverbrauchte Kraft“, meint der Politologe Zoltan Kisszelly. Sie könnten die lachenden Dritten sein – im Lager-Kampf zwischen Linksliberalen und Nationalkonservativen.

Unter jungen Ungarn ist Jobbik beliebt, jeder dritte Student würde sie wählen. 25 Prozent der jungen Ungarn hegen auch Sympathien für die Grünen, sagt  Politologe Kisszelly.

http://www.youtube.com/watch?v=GSP81Che1X0

Viele junge Ungarn sind enttäuscht. Sie fühlen sich politisch gegängelt – vor allem aber haben sie Probleme, Jobs zu finden. Viele – vor allem gut ausgebildete Akademiker – stimmen mit den Füßen ab. Seit 2010 sind gut eine halbe Million Ungarn ins westliche Ausland gegangen. Im Protest-Song „Das System gefällt mir nicht“ beklagt Sängerin Dorottya Karsay, dass „ein Diplom nichts mehr wert ist, alle Freunde weg gehen“.

Dopeman: Gründer der Mafia Partei
Dopeman: Gründer der Mafia Partei

Auch der Gangsta-Rapper Dopeman – bürgerlich Laszlo Pityinger – hat die Nase voll. Er wurde von der Facebook-Opposition schon zum „alternativen Präsidenten“ gewählt, jetzt hat er eine eigene „Partei für die Jugend“ gegründet, er nennt sie doppeldeutig „MAFIA“. Nach Meinung des Rappers hat sich in Ungarn ein solches System entwickelt: Mit einem Paten an der Spitze – und Oligarchen rund um die Regierungspartei Fidesz, die von der Vetternwirtschaft profitieren. Auf den ersten Blick sehe es in Ungarn gut aus, sagt Pityinger, aber das sei nur „Operette“, hinter dem Vorhang liegen seiner Ansicht nach „Frust, Armut und Unzufriedenheit“. Seine musikalische Antwort: Bazmeg!

http://www.youtube.com/watch?v=RTZJmaJO4GQ

 

Kommentare (1)

Teller_rand am

Schade, dass ein Land so „von oben“ besetzt werden kann. Was passiert nach diesem Zeitabschnitt? Gibt es dann eine neue Wende? Für diese Zeit müssten aber die jetzigen Oppositionskräfte (v.a. die Sozialdemokraten) deutlich verstärkt daran arbeiten, dass Korruption u.dgl. in dem Ausmaß, das FIDESZ an die Macht gebracht hat, nie wieder stattfindet; sonst wiederholt sich die Geschichte laufend…

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