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11. Februar 2014

Balkanski Teil 3

Auf Entdeckungsreise zu den interessantesten Pisten in Ex-Jugoslawien.

Tagebuch von ARD Korrespondentin Susanne Glass – momentan auf Dreharbeiten für die ARD-Weltreisen.

Tag 3: Reisen in Montenegro

Sie stehen an den Kreuzungen, hinter Kurven, am Ortseingang, am Ortsausgang…immer zwei, oft auch drei oder gleich mehrere. Mit gelangweiltem Blick, Zigarette in der Hand: Polizisten in Montenegro sind eine Kategorie für sich.
Kaum mit dem Auto hinter der Grenze angekommen, könnte man meinen, in dem kleinen Bergland sei eine Großfahndung am Laufen. Oder die Montenegriner seien notorische (Verkehrs-)Gesetzesbrecher. Nichts davon ist der Fall.
Es gibt hier schlicht und einfach zu viele Gesetzeshüter. Im eher verschlafenen Skiort Zabljak zum Beispiel kommen auf 1800 Einwohner 112 (!) Polizisten. Ein Insider erzählt warum: Bei den vielen Wahlen in den vergangenen Jahren wurden vor jeder Abstimmung neue Staatsbedienstete eingestellt. Der Deal war: Wir versorgen dich und deine Familie, dafür wählt ihr uns.
Dabei gibt es längst nicht so viel Arbeit für all die Uniformierten. Die armen langweilen sich. Also stehen sie eben – bevorzugt an Schönwettertagen – in Grüppchen an den Straßenecken und halten Autofahrer auf. Am liebsten natürlich, wenn es einen Grund gibt, weil diese zu schnell gefahren sind. Die dafür vielversprechenden Standorte sind bei Polizisten besonders begehrt. Sie versprechen Zuverdienst, denn man kommt armen Temposündern natürlich auch gerne unbürokratisch entgegen.

Auch der Teambus entkommt den Kontrollen nicht. Hier wird Mladen zum vierten Mal kontrolliert.
Auch der Teambus entkommt den Kontrollen nicht. Hier wird Mladen zum vierten Mal kontrolliert.

Aber auch selbst wenn die Fahrer sich an alle Regeln gehalten haben, werden sie angehalten. Um etwa so zuvorkommende Fragen zu stellen, wie diese: Sind sie müde von der Fahrt? Wo geht es noch hin? Was dahinter steckt, haben wir noch nicht herausgefunden. Möglicherweise einfach das Bedürfnis sich nett zu unterhalten. Klar ist aber die Absicht hinter der Frage an Touristen: Wo wohnen sie? Bei privaten Zimmervermietern wird dann nämlich sofort überprüft, ob diese die Zusatzeinnahmen auch offiziell angegeben haben.
Auf der Rückfahrt vom Skigebiet in Zabljak stehen die unifomierten Polizisten dann wieder an der Straße. Diesmal allerdings einzeln, hintereinander. Ihr Winken ist nicht mehr so bestimmt und autoritär wie am Vormittag. Es ist Dienstschluss. Sie trampen nach Hause.

Fotostrecke aus Zabljak:

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