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7. Februar 2014

Balkanski Teil 2

Auf Entdeckungsreise zu den interessantesten Pisten in Ex-Jugoslawien.

Tagebuch von ARD Korrespondentin Susanne Glass – momentan auf Dreharbeiten für die ARD-Weltreisen.

Tag 2: Bjelasica in Montenegro

Die komplett schneebedeckte Straße schraubt sich in vielen Kurven immer höher in die Berge durch einen verschneiten Märchenwald. Ein Auto aus Mazedonien liegt im Graben. Die Großfamilie steht mit kompletter Skiausrüstung daneben. Nichts passiert, aber wir sollen unbedingt vorsichtig weiterfahren, sie seien nicht die ersten, denen das passiert ist. Den Skiausflug wollen sie sich trotzdem nicht vermiesen lassen. Wir werden sie später gut gelaunt auf der Piste wiedersehen.

Einer Piste, auf der sich die wenigen Fahrer bald untereinander herzlich grüßen, wenn sie sich zufällig irgendwo in diesem Schneeparadies treffen. „Kolasin 1450“ heißt das Skigebiet in der spektakulären Berglandschaft Montenegros. Es liegt in einem tiefen Dornröschenschlaf. Vermutlich hätte der private Besitzer schon aufgegeben. Aber zu seinem Glück sind da außer den privaten Skifahrern auch noch die uniformierten Grüppchen – alle mit schwarzen Hosen und roten Jacken.

„Kolasin 1450“ ist das Trainingsgebiet der montenegrinischen Gebirgsjäger. Sie kommen so gut wie jeden Tag. Im Lift, auf der Piste, abseits im Tiefschnee: Überall Rotjacken mit der Aufschrift: „Montenegrinische Armee“. Die Soldaten sind sehr freundlich, einige auch noch ziemlich unsicher auf den beiden Brettern unter ihren Füßen. Häufig, erzählt uns der Direktor des Skizentrums, käme auch griechisches oder mazedonisches Militär zum Training hierher. Oder die montenegrinische Polizei.
Deshalb ist auch das Erste Hilfe Zentrum überdimensional ausgestattet. Alles in allem: Kolasin ist wohl das sicherste Skigebiet der Region.
Fast so gut gehütet wie ein Militärgeheimnis wird auch dieser Tipp: Weit abseits der Zivilisation laden Mila und Misko in einer kleinen Hütte auf ihrem Bauernhof zu allerlei selbstproduzierten Käsespezialitäten, Honig, Maismehlbrot und diversen Schnäpsen ein. Schöner kann Après-Ski nicht sein!

Morgen widmen wir uns dem sozialistischen Erbe in den montenegrinischen Skigebieten. Und wir wollen extrem hoch hinauf in die Lüfte.

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