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5. Februar 2014

Balkanski

Auf Entdeckungsreise zu den interessantesten Pisten in Ex-Jugoslawien.

Tagebuch von ARD Korrespondentin Susanne Glass – momentan auf Dreharbeiten für die ARD-Weltreisen.

Tag 1: Kopaonik in Serbien

Boris macht einen Spagat auf Ski, dann springt er in die Höhe, dreht sich um 180 Grad. Und das Schlimmste: Er will, dass ich es ihm nachmache. Bis dahin hatte ich geglaubt, ganz passabel Ski zu fahren. Aber bis dahin hatte ich ja auch gedacht, dass der Privatkurs mit Boris gemütlich wird. Immerhin ist er bald 80 Jahre alt und damit der älteste Skilehrer im serbischen Kopaonik. Das größte Skigebiet Serbiens.

Junge Skilehrer sind überschätzt!  Boris wird bald 80...
Junge Skilehrer sind überschätzt! Boris wird bald 80…

Wir sind hier auf Entdeckungsreise zu den interessantesten Pisten in Ex-Jugoslawien. Etwa 10 Tage wird der Dreh dauern. Für die ARD-Weltreisen am 8. März um 16 Uhr.
Und er verspricht touristische Neuentdeckungen, vermutlich auch die eine oder andere abenteuerliche Situation und ganz sicher viele interessante Menschen. Wie Boris, der uns später auf der Hütte das Geheimnis seiner ewigen Jugend erklärt: Niemals geraucht, nur ein einziges Mal – irgendwann in den 60er Jahren – Alkohol getrunken und niemals auf ein amouröses Abenteuer verzichtet. Getreu dem Motto: Über 1000 Meter ist alles erlaubt.
Fast alles. Vollkommen überrascht stoßen wir mitten auf einer schwarzen Piste auf eine Gruppe Polizisten mit Skiern im Dienst: Routinekontrolle von Skipässen und Personalausweisen. Sehr freundlich aber bestimmt. Letztes Jahr haben sie einen Schwarzhändlerring von illegalen Skipasshändlern auffliegen lassen.

Skipässe gibt es nur an den offiziellen Verkaufsstellen. Ski-Pisten Polizei ließ letztes Jahr einen Schwarzhändler-Ring auffliegen.
Skipässe gibt es nur an den offiziellen Verkaufsstellen. Ski-Pisten Polizei ließ letztes Jahr einen Schwarzhändler-Ring auffliegen.

Vorbereiten kann man bei einer solchen Drehreise praktisch nichts. Gerade ein Skidreh ist sehr aufwändig, mit unberechenbaren Wetterverhältnissen. Wir haben uns deshalb ausnahmsweise dafür entschieden mit zwei Teams zu fahren. Und zumindest am ersten Tag war uns allen das Reporterglück hold, inklusive strahlendem Sonnenschein.
Begonnen haben wir die Reise in Belgrad mit unserem serbischen Producer Zoran und seinem Kameramann Zarko. Der zweite Kameramann Alex und ich sind aus Wien angereist. Gordan aus Kroatien und Mladen aus Bosnien.

Jetzt geht es weiter nach Montenegro, dem Land der schwarzen Berge. Danach wollen wir ins Grenzgebiet zwischen Mazedonien und Kosovo. Seit dem Krieg dort ist das Skifahren ziemlich schwierig geworden. Aber die Pisten wohl ausgesprochen reizvoll.
Eine weitere Schwierigkeit ist leider schon vorprogrammiert: Das Kosovo hat seit kurzem Visapflicht für Bosnier eingeführt. Für Mladen war die Zeit zu kurz, ein Visum zu beantragen. Mal sehen, ob wir den Grenzer trotzdem erweichen können.

Da merkt man erst wieder, wie schön die Reisefreiheit ist.

Fortsetzung folgt.

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